Ein Läufer ist nachdenklich oder immer weniger Gehirn

Ein Läufer ist nachdenklich
Gut, die Überschrift mag etwas seltsam klingen. Man muss nicht Läufer oder Sportler sein, um nachzudenken zu können. Ich denke aber oft und viel nach. Gerade beim Laufen und Rad fahren habe ich gute oder weniger gute Einfälle, beobachte unterschiedlichste Dinge, die mich zum Nachdenken anregen, über die ich mich freue oder auch ärgere, und ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Leider beobachte ich ab und an Situationen, die mit meinen Werten nicht vereinbar sind. Auf einige dieser Dinge möchte ich im jetzigen Beitrag etwas näher eingehen. Dabei liegt der Fokus nicht nur beim Sport und Laufen. Aber mein Blog dient auch dazu, mal Dinge anzusprechen, die ich im alltäglichen Leben beobachte und erlebe.

Oft und gern werden ja die Kameradschaft und Freundschaftlichkeit unter Läufern gelobt, und es gibt eine Menge nette und schöne Augenblicke in der Laufszene. Viele, gerade kleinere, Laufveranstaltungen übermitteln ein familiäres Flair, und man trifft nette Menschen, mit denen man Spaß auf der Strecke und nach dem Lauf hat. Dennoch spielt der sportliche Wettstreit eine Rolle, für den einen mehr und für den anderen weniger, was legitim ist. Und die Herausforderung reizt, selbst zu sehen, wo man steht und was der eigene Körper zu leisten im Stande ist. Sport, Fair Play und Kameradschaft waren für mich viele Jahre Dinge, die eng nebeneinander stehen und standen. Und glücklicherweise gibt es viele Sportler, die diese Charaktereigenschaften und Werte auch verkörpern, aber leider eben nicht alle. Wenn es um den sportlichen Wettstreit geht, dann sollten alle Sportler mit den gleichen Karten spielen. Ich finde es unfair, wenn bei Volksläufen Sportler abkürzen und sich so einen Vorteil verschaffen, auch wenn es nur 5 Meter sind. Manchmal sind genau diese 5 Meter entscheidend. Wenn die Laufstrecke um den Baum angezeigt wird, dann sollte auch dieser Weg genommen werden. Solche und ähnliche Aktionen finde ich völlig daneben; habe ich übrigens selbst erlebt und vor einigen Tagen auch schon mal darüber geschrieben – Unsportlichkeit beim Laufen.

Doping und andere Grausamkeiten

Es wird überall über den Profisport geschimpft, Doping ist auch aktuell wieder ein großes Thema. Aber sieht es im Freizeitbereich anders aus? Läufer, die vor dem Marathon oder einem anderen Lauf Schmerztabletten nehmen, spielen nicht nur mit ihrer Gesundheit, sondern betrügen in meinen Augen auch ihre Mitstreiter, die ohne Mittelchen an den Start gehen. Leider habe ich den Eindruck, dass Schmerzmittel schon fast als legitim und normal angesehen werden. Für mich ist dies unverständlich. Dabei sind Schmerzen eine natürliche Reaktion des Körpers, man hält sie aus, oder es wird darauf reagiert. Und wenn der Körper für eine gewisse Leistung nicht bereit ist, dann sollten wir darauf reagieren und/oder es akzeptieren. Erfolg und gute Leistungen sollten nur durch Training und Disziplin erzielt werden. Wie seht Ihr die Einnahme von Schmerzmitteln vor und während der Sportwettkämpfe?

Auch ist der Umgang untereinander manchmal rauer als zugegeben wird. Ein sehr gutes Beispiel sind Läufer und Nordic Walker – ein scheinbar ewiger „Krieg“. Ich gebe zu, ich bin auch nicht immer einverstanden mit dem, was da geschieht. Ich kann es beispielsweise nicht nachvollziehen, dass Nordic Walker bei Laufveranstaltungen ganz vorn am Start stehen. Da fehlt mir jegliche Logik. Auch ist es unverständlich, wenn Walker nebeneinander walken und niemanden vorbeilassen. Aber es gibt auch sicherlich Beispiele von der anderen Seite. Wäre es nicht besser, wenn wir uns respektieren und jedem Menschen seine eigene Freiheit lassen? Es ist doch schön zu sehen, wenn Menschen Sport machen und sich bewegen, egal in welcher Form und auf welche Art. Die Zauberworte sind Rücksicht, Verständnis und Achtung untereinander. Aber dies gilt ja nicht nur für den Sport sondern auch für andere Gebiete des Lebens. Manchmal frage ich mich, ob wir Menschen es verlernt haben zu kommunizieren, ohne gleich verletzend zu werden.

Auch ist es leider nicht mehr so üblich, dass sich Läufer untereinander grüßen. In großen Städten und Parks mit vielen Läufern mag es schwierig sein, aber auf dem Land fand und finde ich es gut. Dies war für mich immer ein Zeichen von Gemeinschaft, wir teilen eine Leidenschaft. Manchmal kam/kommt man irgendwann ins Gespräch, weil man sich fast täglich über den Weg lief/läuft.

Der Dreck muss weg

Weniger verständlich ist für mich der Putzwahn einiger Kleingärtner und Hausbesitzer. Wenn ich meine Runden drehe, komme ich an Gärten und Eigenheimen vorbei. Es wird geputzt und gepflegt, was das Zeug hält, natürlich nur der eigene geliebte Bereich. Was draußen geschieht ist egal. Wirklich richtig schlimm finde ich es aber, wenn Unkraut, Laub und Gartenmüll wie selbstverständlich im Wald abgeladen werden. Da hört in meinen Augen jegliches Verständnis auf. Getreu dem Motto: Was außerhalb geschieht, ist mir egal; Hauptsache meine eigenen vier Wände sind rein. Eine Denkweise, die ich nicht nachvollziehen kann und will. Die Natur wird doch schon so genug verschmutzt, und manch ein Waldlauf ähnelt dem Gang auf die Müllkippe. Dies alles muss doch nicht sein, wenn einzelne Menschen endlich ihren Ego-Trip verlassen würden.

Zum Thema Müll wurde vor einigen Tagen schon mal was auf dem Ultraistgut – Blog vom Margitta geschrieben. Es ist für einige Menschen ganz selbstverständlich überall den eigenen Müll zu hinterlassen. Beispiele dafür erlebe und sehe ich jeden Tag auf meinen Trainingstouren. Dreck von einer bekannten amerikanischen Imbisskette am Waldrand. Also genau an Stellen, an denen mal schnell das Auto geparkt werden kann, im Grünen speisen und stilecht im Grünen den Müll liegen lassen. Und da ist es egal, ob gleich daneben eine Mülltonne steht oder nicht.

Am Badestrand bleibt alles stehen und liegen. Die Leute schaffen es, den Müll zum Strand zu schleppen, aber wieder mitnehmen ist für einige oder besser für sehr viele einfach zu schwierig. Was geht in deren Hirn vor? Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass es genau diese Menschen sind, welche in der eigenen Wohnung bei jedem Krümmel gleich Amok laufen. Aber was geht sie die Natur an, gibt ja noch genug „Blöde“, die den Müll der anderen beseitigen.

Wo es Müll gibt, gibt es in vielen Fällen auch Zerstörung. Mit viel Mühe werden Anschauungstafeln an Wanderwegen angebracht, es werden Hinweisschilder für Wanderer und Radfahrer überall montiert, Bänke und Tische werden zu Erholung an schönen Stellen aufgestellt. Es entstehen neue Gebäude, die ein Treffpunkt für Menschen sein können. Aber es gibt nicht wenige Flachzangen, für die solche Errungenschaft nichts anderes sind als Flächen, wo sie ihrer Dummheit freien Lauf lassen können. Weiße Wände werden mit dummen Parolen versehen, Bänke werden zerstört, und weil man ja ganz viel Kraft hat, landen diese im nächsten See oder Fluss. Anschauungstafeln werden beschmiert oder gleich komplett zerstört. Es wäre ja auch schlimm, wenn man sich mal über die Natur an solchen Tafeln bilden würde, also besser kaputt machen. Man, wie krank muss ein Kopf gesteuert sein… Bitte liebe Leser des Beitrags, kommt mir jetzt nicht mit dem Satz: Was sollen sie auch machen? Es wird ihnen nichts geboten, und sie haben keine Zukunft. Ich kann diese Sprüche nicht mehr hören.

Und sind wir mal ganz ehrlich, es sind nicht nur Jugendliche, die für solche Art von Verschmutzung und Zerstörung verantwortlich sind. Ein gutes Beispiel sind Angler, Menschen die angeblich im Einklang mit der Natur leben. Komischerweise sieht man an fast jeder Angelstelle ein Meer von Zigarettenkippen verteilt, alles ganz normal und vor allem natürlich. Dazu sehen einige Angelstellen auch massiv verschmutzt aus, egal ob Maisdosen, Wurmdosen, Flaschen, alles bleibt am Wasser. Mit Einklang und Natur hat das in meinen Augen nicht sehr viel zu tun.

Komme ich jetzt ins Fernsehen

Wer keine Achtung vor der Natur hat, hat auch keine Achtung vor anderen Menschen und dem Leben. Hört sich vielleicht hart an, schätze ich aber so ein. Es wird weggeschaut, wenn es um das Helfen geht, und dabei meine ich nicht, dass man gleich den Helden spielen muss. Zivilcourage – ich lache mich ehrlich kaputt, wenn ich so etwas höre. Bevor jemandem geholfen wird oder zumindest die Polizei, Feuerwehr oder Krankenwagen angerufen werden, wird lieber gefilmt. Bei einigen Fällen habe ich den Eindruck gehabt, dass ein Video von einem Unglück schneller im Netz platziert ist, als dass Helfer darüber informiert sind. Kranker geht es kaum noch. Ja, ich habe schon selbst schon solche Beispiele erlebt, wo ich auch als Helfer alleine auf weiter Flur war. Da kommt schnell das Gefühl von Wut und Verzweiflung auf.

Damit möchte ich meinen kleinen Gedankenexkurs auch beenden. Mein Blog dient auch mal dazu, Sachen kritisch zu betrachten, auch wenn mir schon klar ist, dass diejenigen, welche es betrifft, den Artikel nie lesen werden. Also bleibt mir als Mensch nichts anderes übrig, weiter als gutes Beispiel voranzugehen, auch wenn ich mich manchmal da ganz alleine fühle. Es ist notwendig, Dinge kritisch zu betrachten, und die Hoffnung auf Verbesserung stirbt ja bekanntlich zum Schluss. Mir ist aber auch bewusst, dass wenn man Veränderungen haben möchte, man immer selbst als gutes Beispiel voran gehen sollte.

Ich würde mich über einzelne Kommentare zum Thema freuen und bin gespannt auf Eure Erfahrungen und Meinungen. Vielleicht sehe ich auch alles nur zu kritisch…


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Na da hast du ja mal ordentlich Dampf abgelassen und ich muss sagen, ich stimme dir zu.
    Punkt 1: Unsportlichkeit bei Laufveranstaltungen habe ich Gott sei Dank noch nicht erlebt.
    Punkt 2: Ja ich kenne auch einige die vorsorglich Schmerzmittel vor einem Wettkampf nehmen. Wahrscheimnlich wissen sie nicht, das sie damit akute Magen- und Darmblutungen verursachen können. Von anderen späteren Folgen mal abgesehen. Was ist, wenn sie es mal vergessen, können sie dann nicht starten?
    Punkt 3: Bisher haben mich noch alle Nordic Walker vorbeigelassen. Ich mache mich rechtzeitig bemerkbar – freundlich. Das hat bisher immer geklappt. Ich grüße auch immer, ausser es ist jemand so vetrieft z.B. bei Tempo- oder Intervallläufen. Ein kurzes Kopfnicken reicht ja auch.
    Punkt 4: Zum Thema Müll habe ich mich letzte Woche auch furchtbar aufgeregt. Wir waren mal wieder in der Lausitz zu Besuch. Und da der Trainingsplan ja weitergeht, habe ich mich also zu dem ein oder anderen Lauf aufgemacht. Unter anderem diesmal Richtung F60 und über das Geländes des alten russischen Militärflugplatzes in Finsterwalde. Es ist schier unglaublich, was da alles in den Wäldern abgeladen wird. Wahrscheinlich denken alle, da kommt eh nie einer hin. Und das waren keine Überbleibsel von damals. Nee das war definitv „neuer“ Müll. Ich hätte ko….. können.
    Von diversen Tüten gewisser Fastfoodketten in unserem Vorgarten und Hecke will ich gar nicht anfangen. Dabei ist das nächste „Restaurant“ mindestens 5km entfernt. Wenn man schon so weit gekommen ist, kann man dann seinen Müll nicht mit nach Hause nehmen? Grrr…..
    Punkt 5: Habe ich ebenfalls Gott sei Dank noch nicht erleben müssen.
    Hoffnung auf Verbesserung? Geht wohl nur darüber, dass wir es unseren Kindern und anderen einfach vorleben.
    Viele Grüße
    Karina

    • Hallo Karina,
      auch Dampf ablassen muss mal sein, aber es gibt auch viele Dinge über die man sich einfach ärgern kann.

      Bei den Schmerzmitteln sind wir auf aller Fälle einer Meinung. Und die Sache mit dem Müll wird nicht nur bei uns in der Lausitz ein Problem sein. Egal wo man ist, Müll. Es gibt zwar Gegenden die sind sauberer als andere, liegt aber sicher auch an der jeweiligen Bevölkerungsdichte/Infrastruktur. Und die Strafen für illegale Müllentsorgung sind meines erachtens noch viel zu lasch. Aber insgesamt würde einfach ein umdenken in den Köpfen der Menschen helfen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss 🙂

      Beste Grüße

      Heiko

  2. Hey Heiko, 100% Zustimmung. Gerade beim Thema Müll stimme ich dir zu.

    Aufregen kann ich mich auch über Radfahrer in meinem Standard Laufpark wo radfahren verboten ist, die dann auch noch nebeneinander fahren müssen.

    Mit Walkern habe ich bis dato keine Probleme gehabt. Klar, man bekommt mal nen Stock ans Schienbein, aber sowas ist die absolute Ausnahme. Auch im Lauftreff machen uns die Nordic Walker immer ganz lieb Platz 🙂

    Beim Thema Schmerzmittel möchte ich kurz meinen allerersten Wettkampf (HM in Mainz) anführen, wo ich Schmerzmittel dabei hatte. Ich war zu dem Zeitpunkt erst 7 Monate Läufer und wollte diesen wichtigen Meilenstein erreichen. Als dann wenige Wochen vorher mein Knie massive Probleme machte bin ich zum Arzt. Am Ende von mehreren UNtersuchungen stand die Diagnose Überlastung + etwas zuviel Wasser drinne. Ich könne in jedem Fall am Wettkampf teilnehmen, im Zweifel auch mit Schmerzmittel.

    Benutzt habe ich es am Ende nicht, aber ich würde niemanden verurteilen, der sich die Option offen hält, denn vllt. hat er ja Gründe dafür … ich wollte die Erfahrung nicht missen ,-)

    • Hallo Mathias,
      die Sache mit den Schmerzmitteln muss letztendlich jeder für sich entscheiden. Ich habe da meine Meinung zu und werde da wohl auch nicht von abkommen. Darüber habe ich aber im Blog schon genug geschrieben. Die Sache mit dem Müll ist wirklich heftig und ich weiß da echt nicht was man noch machen kann, die Leute begreifen es einfach nicht.

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