Freunde der Sonne, jetzt ist Schluss mit lustig

Schluss mit lustigEigentlich würde ich jetzt gern über die tolle Lausitzer Seenland 100-Veranstaltung hier in Senftenberg schreiben, die am Wochenende vom 12. und 13. Juli 2014 stattgefunden hat. Aber leider fällt mir das angesichts eines Erlebnisses schwer, welches ich auf der 10-Kilometer-Strecke miterleben musste. Habe ich erst vor gut 3 Wochen meine Enttäuschung über einige Teile der Laufszene angebracht, so sehe ich leider meine persönlichen Werte ein zweites Mal verletzt. Und ernsthaft stelle ich jetzt die Frage: Ist alles nur ein Zufall oder gibt es Hilfsbereitschaft wirklich kaum noch? In den Kommentaren zum o.g. Artikel wurde dies tendenziell eher als Einzelfall angesehen. Ich muss aber zugeben, meine Emotionen kochen nach dem gestrigen Erlebnis immer noch, und für mich ist schwer, die eigene Wut im Zaum zu halten.

Was war geschehen? Sehr kurzfristig hatte ich mich entschieden, die 10 Km beim Lausitzer Seenland 100 mitzulaufen, wirklich nur aus Spaß und Freude. Es sollte ein lockerer Trainingslauf werden. Einfach laufen, genießen und die Schönheit unseres Sports erleben. Aber Pustekuchen, Leistungsdruck, Eigennutz und Gleichgültigkeit scheinen leider ein weitverbreitetes Phänomen zu sein. Sportliche Höchstleistungen sind legitim, gern unterstütze ich auch mit meinem Wissen als Personal Trainer Menschen, die sich verbessern oder Bestzeiten im Laufsport erreichen möchten. Aber dabei vermittle ich den Menschen auch meine Werte, nämlich dass es noch mehr gibt als Druck und Hetzerei. Laufen sollte mehr sein als der ständige Blick auf die Uhr. Und vor allem, Gesundheit und Menschlichkeit stehen immer vor der Leistung. In diesem Punkt gibt es in meinen Augen keine Ausnahmen und keine Entschuldigungen. Egal, wie lange jemand trainiert hat oder was auch immer, ein Menschenleben ist wertvoller als irgendwelche Medaillen oder Punkte. Kurz vor Kilometerpunkt 2 sah ich ca. 30 Meter vor mir einen Läufer, der taumelte und versuchte, sich an einem Gebüsch abzustützen. Einen Moment später rauschte er in dasselbige. Genauso rauschten andere Läufer leider wieder vorbei und ehrlich, der Mann und sein Zustand waren nicht zu missverstehen. Angemerkt sei hier, dass wir uns in einem Leistungsbereich von 4:45 min/km bewegten, also im normalen Mittelfeld.

Wie fast immer waren ein Großteil der Sportler wieder viel zu schnell angegangen, und schon zu diesem Zeitpunkt waren Leistungseinbrüche zu erkennen. Dass man einen Sportler, dem es offensichtlich nicht gut geht, ignoriert, kann ich nicht nachvollziehen. Jedenfalls dachte ich, ich bin im falschen Film. Bis ich bei dem Sportler war, waren viele Läuferinnen und Läufer an ihm vorbei, ohne auch nur irgendeine Regung zu zeigen. Gerade mal zwei erkundigten sich und wollten helfen, aber der angeschlagene Sportler signalisierte, dass diese weiterlaufen sollten, weil es ihm gut gehe. Da er offensichtlich arge Probleme hatte, übernahm ich die Initiative und eine erste Hilfeleistung. Ich hakte ihn unter und stabilisierte damit seinen Gang. Eine für mich ganz normale Sache. Glücklicherweise befand sich ein Verpflegungspunkt in der Nähe. Auch dort hätte ich mehr Entgegenkommen erwartet. Ich hätte gut jemanden brauchen können, der von der anderen Seite stützt bzw. jemanden, der sich einfach erkundigt, was an Unterstützung benötigt wird. Das Auffüllen der Wasserbecher sollte da zweitrangig sein. Dafür wurde aber schnell ein Funkspruch abgesetzt, um den Läufer mit einem Auto abzuholen.

Irgendwann nach einigen Minuten setzte ich mit viel Wut im Bauch meinen Lauf fort. Was ist aus unseren gesellschaftlichen Werten wie Hilfsbereitschaft, Unterstützung, Respekt und aus unserer Laufszene nur geworden? Gibt es im wirklichen Leben keine befriedigenden Herausforderungen mehr, so dass im Sport ohne Rücksicht auf Verluste agiert wird? Und warum ist das eigentlich so? Ich meine, dass die Leistung von Menschen im Beruf und/oder Privatleben mittlerweile so wenig gewertschätzt und anerkannt wird, dass sie im Wettkampf eine Möglichkeit sehen, ihr Selbstwertgefühl durch Punkte und Zeiten aufzupolieren. Das ist psychologisch zwar nachvollziehbar und trifft viele, aber bitte nicht auf (existenzielle gesundheitliche) Kosten anderer! Oder ist es schlicht die Überforderung, weil viele nicht mehr wissen, wie sie im Ernstfall reagieren sollen? Vielleicht ist es aber auch eine Kombination aus beidem. Unabhängig davon, was genau die ausschlaggebenden Gründe sind, die zum Nichthelfen veranlassen, stellt sich mir die Frage, wie damit perspektivisch umgegangen werden soll und wird.

Ich hoffe, dem Sportler geht es wieder gut, und es war wirklich nur ein kleiner Zusammenbruch.

So darf es nicht weitergehen

Nun mein Appell an alle Laufveranstalter: Bitte kommuniziert die gegenseitige Rücksichtsnahme und Hilfe noch besser in Euren Ausschreibungen! Denn leider scheint dies nicht selbstverständlich zu sein. Auch Ihr als Veranstalter habt eine Verantwortung. Dabei ist es unerheblich, ob Sportler auf eigene Gefahr und Verantwortung laufen oder nicht. Eure Verantwortung ist es, darauf hinzuweisen, dass Hilfe vor sportlicher Leistung steht. Eure Verantwortung ist es, Helfer auf Notfälle vorzubereiten und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, sie fit zu machen. Und Eure Verantwortung ist es, nicht nur auf Quantität zu schauen, um die Laufveranstaltung und wen oder was weiß ich noch, finanziert zu bekommen. Schneller, höher, weiter um jeden Preis, wollen wir dies wirklich?

Mein Appell an Sportler und Zuschauer: Wenn es jemandem nicht gut geht, erkundigt Euch und helft! Ergreift selbst die Initiative und erwartet bitte nicht, dass andere entscheiden und helfen. Macht das Helfen für Euch zu einer Selbstverständlichkeit.

Ich hoffe, dass dieser Artikel auch bei der einen oder anderen „richtigen“ Adresse ankommt, und ich wünsche mir einfach wieder mehr Hilfsbereitschaft, Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme untereinander. Dafür weniger Eigennutz und Eigensinn. Sport frei!


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das darf doch nicht wahr sein. Innerhalb der kurzen Zeit gleich zweimal von solch einem Vorfall zu lesen, macht einen traurig und wütend, aber auch sehr nachdenklich. Musste beim Lesen gleich wieder an die Situation hier bei uns vom Juni denken. Man bekommt ja das Gefühl, als ob bei vielen Läufern nach dem Startschuss das Gehirn und die Menschlichkeit ausgeschaltet werden bis zum Ziel.
    Man kann nur hoffen und sich wünschen, dass in dieser Hinsicht recht schnell ein Umdenken und Handeln eintritt…

    • In den letzten Tagen hatte ich viele Gespräche über diese Sache geführt. Es gibt Läufer die wohl wirklich nicht mitbekommen was am Rand der Strecke passiert. Vielleicht ein Argument?????

  2. Hilfe für die, die es nötig haben, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Aber was zählt schon ein Anderer, wenn es um den persönlichen Vorteil geht? Schlimm!

    • Ist ja leider wie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft, der Sport bildet da keine Ausnahme. Selbstverständlich sind viele Dinge nicht mehr. Und die Werbung gibt es doch vor: Jeder soll an sich denken und und und………..

  3. Hallo Heiko,
    es gibt tatsächlich auch positive Beispiele. Die 12jährige Tochter meiner Mitarbeiterin nahm an den Schullaufmeisterschaften teil. Dort sind die Kids reihenweise umgekippt ( es gab 40! Einsätze ). Das lag aber nicht am Wetter sondern an der teilweise katastrophalen Vorbereitung der Schüler auf einen 1500m Lauf. Na, jedenfalls sah ihre Tochter, wie ein Mädchen einfach zusammenklappte. Beide lagen im ersten Drittel des Feldes. Später erzählte sie, dass sie die Einzige war, die sich um das kollabierte Mädchen kümmerte. Es dauerte wohl ewig, bis jemand reagierte. Als das Mädchen versorgt war, lief sie weiter in Ziel und lag ziemlich weit am Ende. Sie hat überhaupt nicht überlegt, sondern einfach gemacht.
    Liebe Grüße
    Karina

    • Hallo Karina,
      vielen Dank für dieses positive Beispiel und meine Hochachtung vor dem Kind. Aber 40 Einsätze sind auch schon eine Hausnummer, da muss wohl einiges schief gelaufen sein.

      Beste Grüße

      Heiko

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