Mein (Lebens-) Lauf Teil 1 – Mit dem Roller fing alles an

Mein Lebenslauf Teil 1 - Mit dem Roller fing es an

Knapp fünf Jahre habe ich mich schon durch das Leben gekämpft, hatte bei Rollerrennen im Kindergarten die Niederlagen einstecken müssen. Dabei wollte ich so gern die wunderbaren Preise gewinnen, bunte Luftballons und klebrige Bonbons, Süßigkeiten, die jedem Zahnarzt ein Schrecken ins Gesicht treiben und bei jedem Kind für Freudentränen sorgen. Nur bei mir waren es eher Tränen der Verzweiflung und Enttäuschung. Denn all die bunten Sachen gewannen immer die anderen Kinder.

Meine Koordination und Geschwindigkeit waren mit der einer Bahnschranke zu vergleichen, hoch und runter und ganz langsam, mehr war nicht möglich. Und so kämpfte ich eher mit meinem Roller, als dass ich ästhetisch mit ihm über die Wege sauste. Die Wege und Straßen zu meiner Kindheit ähnelten teilweise Schlaglochwüsten. Hier war schon ganze Körperbeherrschung gefragt, denn überall warteten Löcher, die mich zum Fallen bringen wollten. Und natürlich nahm ich zu gern viele dieser Abgründe mit, um mit ganzer Körperlänge die einzelnen Wege zu vermessen. Eigentlich wäre ein Ganzkörperairbag hilfreich gewesen, um den kleinen Körper zu schützen. Aber damals gab es solche Weicheiereien noch nicht.

Helme für Kinder, Knieschutz oder Ellenbogenschutz alles Erfindungen der Neuzeit. Und so schmierte an so manchen Tagen die Nase auf dem Schotter entlang und brachte den kleinen Heiko irgendwann zum Bremsen. Rote Schmarren und Schürfungen gehörten zum guten Ton. Und es wurde nicht gleich wegen jeder kleinen Wunde zum Arzt gerannt, nein. Es gab die immer gleichen weisen Worte der älteren Leute: Das heilt von alleine, Pflaster braucht da nicht drauf und bis zur Hochzeit ist alles vergessen. Ja, und irgendwie hatten die Herren und Damen auch Recht.

Aber immerhin habe ich mit einigen unfreiwilligen Abstiegen und noch mehr Schotterflechten an den Knien das Ziel mit meinem Holzroller immer irgendwie erreicht. Ein Erfolgserlebnis war es dennoch nicht. Denn nach dem Rennen im Kindergarten gab es wieder das übliche Theater: Unzufriedene Kindergartenerzieherinnen, die immer böse drauf und am Meckern waren. Irgendwie habe ich die Damen auch nach so vielen Jahren immer noch als Schreckgespenster in Menschengestalt in Erinnerung. Hat man nicht das gemacht, was man sollte, wurde die Erziehungskeule rausgeholt. Dazu gehörten solch wundersame Maßnahmen, wie sich mit dem Gesicht an die Wand stellen und schämen, kein Kompott oder still auf einem Stuhl sitzen. Heutzutage würde da wohl der Kinderschutz ganz laut schreien, damals war es ein normaler Teil unserer/meiner Erziehung. Aber darüber darf ja nicht gesprochen werden, denn früher war ja alles besser.

Lebenslauf eines Läufers - Teil 1

So klein und unschuldig… oder doch nicht

Und um groß und stark zu werden, musste auch immer schön aufgegessen werden. Was auf den Tisch kam, musste hinter, egal was es war. Aus dem Jungen musste schließlich mal was werden. Also immer alles rein in die Fressluke, dies dachten sich auch die Erzieherinnen im Kindergarten. Die meisten Kinder liebten Milchreis. Eine undefinierbare Pampe aus Reis und Milch, dazu braune Butter, Zimt und Apfelmus. Bei sonntäglichen Frühschoppenausflügen mit Vatern oder Opa hörte ich oft, wie sich die älteren Herren über Essen unterhielten. Und wenn es um Milchreis ging, wurde schnell Tacheless geredet.

Die Stimme eines Mannes ist mir bis zum heutigen Tage noch lebhaft im Ohr: Wer diesen Dreck frisst, der bringt auch Russen um. Nein, der Herr wurde nicht von der Staatssicherheit mitgenommen. Auch wenn er sich mit seiner Äußerung gegen unseren großen Bruder, die damalige Sowjetunion gerichtet hat. Für mich als Kind war diese Äußerung sehr interessant, weil der ältere Herr zu gern von der guten alten Zeit schwärmte und seinen Erfolgen gegen die „bösen“ Russen berichtete. Eines blieb aber unklar, er hat an der Front gegen die Russen gekämpft, und dennoch diesen Dreck nicht gefressen. Na ja, da hat was nicht ganz gepasst.

Aber dem kleinen Heiko waren die Russen und die alten Herren mit den ach so klugen Sprüchen egal, und er wollte auch niemanden umbringen. Er wollte aber auch nicht diese undefinierbare, grauenhafte Pampe aus Milch und Reis in seinem Körper haben. Der Oberaufseherin (im Fachjargon Erzieherin genannt) an unserem Tisch sah dies aber ganz anders: „Erst wenn Du aufgegessen hast, darfst Du den Tisch verlassen, und dein Kompott bekommst Du auch nicht.“ Was willst Du da als kleines Kind machen? Wir hatten noch Respekt, was soll ich sagen, wir hatten noch Angst vor Autoritäten. Dieser Drache war eine Autorität, und ich wusste, ich bin verloren und werde mir diese Pampe in den Mund schieben. Da fiel mir wieder der Spruch des „weisen“ Herren ein. Nur ich wollte doch niemanden umbringen. Nein, aber am liebsten hätte ich meine Erzieherin auf den Mond geschossen. Aber diese Dame blieb stehen wie eine Eiche und vor allem standhaft.

Die anderen Kinder waren schon zur Mittagsruhe abgerückt, und das kleine Häufchen Elend (ja, so fühlte ich mich) saß immer noch am Tisch mit einem riesigen Löffel und einem noch größeren Teller voller Milchreis. Vielleicht hätte ich ganz laut brüllen sollen: „Ich will keine Russen umbringen, und meine Eltern zahlen sogar für die Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ jeden Monat brav ihren Teil. Aber keine Chance. In meinem Kopf spielten sich unterschiedlichste Szenen ab, die Stimme der geschulten Erzieherin wurde immer lauter und erste Tränen rannen an den Wangen entlang, um natürlich den Milchreis noch etwas aufzupeppen. Die Eiche blieb gnadenlos, ein Entrinnen war zwecklos. Junge, du verreckst beim Essen, oder aber sie prügelt dich. Gedanken an Mutti, die mich bald abholen würde, wurden durch die grauenhafte Stimme der Aufseherin durchbrochen: „Iss jetzt endlich den Milchreis“.

Irgendwann überwog die Angst, und ich schob mir den ersten Löffel in den Mund. Im Körper zog sich alles zusammen und alles in mir kämpfte gegen dieses Fressen. Aber nichts half, die Angst war größer. Nach mehreren Stunden saß ich kreidebleich am Tisch, die Augen rot und ein nette Erzieherin, die mir jetzt freundlich und aufmunternd einen Klapps auf die Schulter gab: „Geht doch, ist doch nicht so schlimm das bisschen Milchreis.“ Nur die Angst hielt mich davor zurück, im nächsten Augenblick über den ganzen Tisch zu kotzen und den Teller wieder voll zumachen. Wer weiß, was dem freundlichen Drachen dann eingefallen wäre.

Mittlerweile standen die anderen Kinder schon wieder Gewehr bei Fuß, denn es war Zeit für eine kleine Zwischenmahlzeit. Ich wollte und konnte nicht mehr, mein jetziger Kampf galt nur noch meinem Mageninhalt. Egal was passiert, behalte das Zeug wenigstens solange im Magen bis Mutti kommt. Dann kannste deinem Ekel freien Lauf lassen. Und Mutti kam, und ich höre noch die ersten Worte: „Junge, was ist mit Dir denn los.“ Mir blieb keine Zeit für eine Antwort. Die Tränen liefen und der Milchreis, mittlerweile gemischt mit anderen Mageninhalten, wollte sich noch einmal die Sonne von draußen anschauen. Ein riesiger Fladen legte sich auf den Kindergartenboden. Nun hätte ich die Hölle erwartet. Mutti fragte ganz entsetzt die Kindergärtnerin: „Was ist mit meinem Jungen.“ Die klare Antwort: „Ihm ist schon den ganzen Tag etwas übel. Machen Sie sich aber keine Sorgen, wir räumen dies weg. Kann ja mal passieren.“ So eine freundliche Hexe. Ich dachte immer, man darf nicht lügen, aber diese Frau machte es, ohne dabei rot zu werden.

Aber man soll ja aus jeder negativen Erfahrung was Positives mitnehmen. Meine Mutti war Tag ein und Tag aus schwer am Arbeiten. Mal Frühschicht, mal Mittag und mal am Abend. Dies mit zwei kleinen Kindern, da kam ein Krankenschein mal genau richtig.

Wie es weiterging und geht, erfahrt Ihr im Teil 2 in der nächsten Woche. Sollten einige Ausdrucksweisen zu derb sein, dann lest bitte drüber. Hier schildere ich die Sichtweisen eines kleinen Jungen, der sich auf dem Weg befand die große Welt und irgendwann den Laufsport für sich zu entdecken.


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

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