Mein (Lebens-) Lauf Teil 2 – Kameradenschwein

Mein Lebenslauf Teil 2 - Kameradenschwein

Der Kampf mit dem Roller und Milchreis aus dem ersten Teil ist schon wieder vergessen, es sind einige Jahre ins Land gezogen. Mittlerweile habe ich mich mit mehr oder minder großem Erfolg durch die ersten Schulklassen gekämpft. Ein Spaß war das sicherlich in den wenigsten Fällen. Dabei habe ich aber viel über Lehrer und deren Eigenheiten lernen dürfen. Bei einigen hätte ich gern darauf verzichtet, und andere waren einfach nur etwas durchgeknallt. Zu der Sorte durchgeknallt gehörten u.a. mein Musiklehrer und der Sportlehrer. Beide Personen sind es wert, dass ich mich etwas näher mit ihnen beschäftige. Durchgeknallte Menschen haben es mir schon immer angetan, warum auch immer. Ich bekomme gerade einen Lachkrampf. So. Krampf überstanden und weiter geht es im Text.

Unser Musiklehrer war für mich gefühlte 80 Jahre alt. Ein Kind im Alter von 11 Jahren sieht halt die Menschen aus einem anderen Blickwinkel. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, mein Musiklehrer war vielleicht gerade 60 Jahre alt. Ein durchgeknallter Typ, der liebte, was er tat. Er war unkonventionell und trotzdem vom alten Schlag. Mit seinen Lehr – und vor allem Erziehungsmethoden würde er in der heutigen Zeit wohl schnell auf dem Abstellgleis stehen. Und so manch eine Klage wäre ihm sicher. Damals aber krähte da kein Hahn nach, jedenfalls, wenn es nicht gerade an die große Glocke gehängt wurde. Wir waren eine große Schulklasse, 30 Kinder, davon 22 Jungs und 8 Mädels. Die Jungs zeichneten sich durch eine besonders große Klappe aus. Ich empfand es als ehrwürdig, dass wir als Problemklasse bezeichnet wurden. Dies war jedenfalls das Urteil einiger Lehrer.

Wir waren sicherlich kein Engel, aber es wurden gewisse Regeln dennoch eingehalten. Dazu gehörte, dass kein Lehrer bedroht wurde, und die Unterrichtsklasse wurde auch nicht nach Lust und Laune verlassen. Das gab es damals noch nicht. Wenn jemand den Raum verließ, dann weil er auf die Toilette musste, oder weil ihn der Lehrer als „Bestrafung“ vor die Tür gesetzt hat. Aber zurück zu unserem Musiklehrer. Ich habe diesen Menschen, der mit grauen zerzausten Haaren durchs Leben ging, nur ganz selten ohne Geige gesehen. Und wenn er mal keine Geige zur Hand hatte, dann war es eben eine Harke, denn er lehrte auch noch das Unterrichtsfach Schulgarten. Für alle ehemaligen BRD Bürger bestimmt etwas befremdlich, in der DDR normal. Es konnte nicht schaden zu wissen, wie Gemüse und Obst angebaut wird.

Er war in beiden Fächern mit vollen Herzen und Einsatz dabei. Zum Anfang einer jeden Musikstunde spielte er etwas auf der Geige. Es war unter den Jungs ganz natürlich, bei den Klängen der Geige zu kichern und sich lustig zu machen. Irgendwie hörte es sich für mein kindliches Ohr auch etwas schräg an, aber ich war wohl schon damals ein Kulturbanause. Unser Musiklehrer legte aber seine ganze Leidenschaft in dieses eine Lied. Danach gab es dann von irgendeinem berühmten Musikstück ein Hörbeispiel vom Schallplattenspieler. Exoten, wie CD, gab es noch nicht. Und jetzt hatte der Lehrer aber freie Hand, wenn jemand quatschte oder kicherte, bumm, gab es eine auf dem Hinterkopf mit dem Geigenstab. Manchmal nicht sanft, aber immer bestimmt. Einige Kandidaten durften pro Unterrichtsstunde mehrfach diesen Kontakt spüren. Dennoch war dieser Lehrer beliebt und geachtet.

So war er auch ein Mensch, der oft helfend zur Seite stand und manch verrückte Sachen mit uns gemacht hat. Er ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als wir mal einen Igel anschleppten und auf den Lehrertisch legten. Ganz fachmännisch und mit leicht gerümpfter Nase erklärte er uns, dass der Igel schon längst tot sei. Hatte wenig mit Musik zu tun, also gemeinsam den Igel unter die Erde gebracht und danach das passende Ständchen geträllert.

Und dann mein Sportlehrer, diesen hatte ich leider nur für 2 Jahre. Aber diese waren auch mit Abstand die schönsten Jahre im Sportunterricht. Die anderen Kinder aus der Klasse waren bei diesem Herren nicht ganz so begeistert, denn er liebte den Ausdauerlauf, und das spürte auch die gesamte Klasse. Für mich war das damals wie das Paradies. Denn nie wieder wurde in der Schule meine sportliche Leistung so gewürdigt wie bei diesem Sportlehrer. Er war beispielsweise dafür verantwortlich, dass ich an meinen ersten Spartakiaden teilnehmen durfte. Die Spartakiade ist so eine Form Olympia im Kleinen gewesen, welche jedes Jahr im Kreis, Bezirk und Land stattfand. Lästiges Geräteturnen gab es bei dem Lehrer nicht. Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass andere Schüler diesen Herrn am liebsten in die Hölle gewünscht hätten. Es gab die „schlimmsten“ Schauergeschichten. Angeblich soll er vor Beginn des Arbeitstages regelmäßig 30 Kilometer gelaufen sein. Für andere Wahnsinn, aber ich hörte mir die Stories respektvoll an. Denn genau das wollte ich auch mal schaffen.

Irgendwann wollte dieser Lehrer mal eine Staffel bei der Kreisspartakiade an den Start bringen. Also wurden die vier schnellsten Jungs aus unserer Altersstufe zu einer Staffel geformt. Damals gab es die Distanz von 4 x 800 Metern. Für jeden Jungen bedeutete dies zwei Runden auf dem Sportplatz und danach Wechsel. Habe ich gerade was von Staffel geformt geschrieben? Ich nehme es vorweg, ich hätte mir dies gern gewünscht. Wir waren ein loser Haufen und vorallem ein hoffnungsloser Fall. Jeder für sich ein Knallkopf, welche nur eines einte: Wir waren die schnellsten im Ausdauerlauf in unserem Altersbereich der heimatlichen Schule.

Bei der Vorstellung der einzelnen Starter möchte ich meine Person mal im Hintergrund lassen. Es reicht die Information, dass ich mittlerweile flott unterwegs war. So flott, dass unser Sportlehrer sich dazu entschied, mich als Startläufer ins Rennen zu schicken. Seine eigentlich nicht vorhandene Strategie war, die Schnellsten nach vorn und die anderen dann zum Schluss. Hört sich ganz gut an, aber vier Läufer ist gleich vier unterschiedliche Charaktere. Ich möchte jetzt keine Lobeshymnen singen, aber mein Lauf ging ordentlich über die Bühne, und ich übergab als Erster den Staffelstab. Jetzt gab es nur noch anfeuern und brüllen.

Ich glaube vom Brüllen und Mitfiebern war ich erschöpfter als vom eigentlich Lauf. Übergeben habe ich an einen Jungen aus meiner Parallelklasse, ein kleiner flotter Kerl. Der Kerl muss eine Pferdelunge besessen haben, der war richtig gut. Und das, obwohl er den Dauerlauf gar nicht so mochte, denn er liebte Radball und hatte ständig blaue Flecken am ganzen Körper (vom Radball). Aber er machte seine Sache richtig gut und vergrößerte unseren Vorsprung auf über 50 Meter zum Zweitplatzierten. Mit voller Pulle übergab er den Staffelstab an einem Kumpel aus meiner Klasse. Er war nicht ganz so schnell und liebte Popel. Jedenfalls gingen diese oft zielsicher von der Nase direkt in den Mund. Und er hatte immer Rotze an der Nase. Aber er gab alles und kämpfte wie ein Tier gegen die läuferische Power die hinter ihm kam. Mittlerweile war ich wohl schon heiser vom Anfeuern. Mit knappem Vorsprung zum Zweiten, aber völlig im Eimer, kam er ins Ziel.

Da lag er auf dem Boden, ich dachte echt er verreckt. Aber dieses Szenario war nichts gegen das, was unser Schlussläufer ablieferte. Innerhalb von 100 Metern war der erste Läufer an ihm vorbei. Zu den nächsten Plätzen war noch ein riesiger Vorsprung. Aber was machte er? Er faxte auf der Strecke, und zeigte jedem das er keine Lust hat. Unserem Sportlehrer war die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Was dem Kameradenschwein (jawohl Kameradenschwein!) aber egal war. Nach 400 Metern noch voll im Saft, hielt er an und sagte ganz frech, er habe keine Lust. Wir hätten ihm am liebsten den Hals abgedreht. Die letzten 400 Meter waren ein Anblick des Grauens, normalerweise sollte ich noch heut schlaflose Nächte haben. Er hat es tatsächlich geschafft, uns auf den glorreichen letzten Platz zu führen. Er hat regelrecht darauf gewartet überholt zu werden, da half auch keine Drohung von körperlicher Gewalt.

Seit diesem Tage bin ich gezeichnet, und es fällt mir schwer, einem Team zu vertrauen. Es wäre kein Problem, wenn er alles gegeben hätte, aber so war es ein nur schäbiges Verhalten. Wir restlichen drei fühlten uns echt schlecht, wobei unser vorletzter Läufer immer noch um Luft kämpfte. Bis zum heutigen Tag war dies eine meiner bittersten Niederlagen.

Wie kam ich eigentlich zum Laufen? Dazu mehr in der nächsten Woche im dritten Teil dieser sonntäglichen Serie.


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

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