Mein (Lebens-) Lauf Teil 4 – Essengeldturnschuhe

Essengeldturnschuhe

In der heutigen Zeit sind Laufschuhe manchmal schon eine Wissenschaft, und ich frage mich oft, welche Firma wohl den ersten sich selbst fortbewegenden Laufschuh erfindet. Also nur noch rein mit den Füßen, und den Rest erledigen die Schuhe. Hört sich eventuell alles unmöglich und nicht wahr an, aber wer weiß, was die Zeit so mit sich bringt. Als die Leute noch auf Pferden durch die Landen hoppelten, dachte auch keiner daran, dass uns irgendwann mal qualmende Fortbewegungsgefährte durch die Gegend kutschieren. Aber sind wir mal ehrlich: Nicht jede Erfindung ist tatsächlich ein Fortschritt für uns Menschen. Immer mehr Bequemlichkeit wird produziert, Roboter übernehmen für uns die Arbeit.

Nun denn, ich möchte jetzt nicht in soziale politische Diskussionen verfallen, denn diese nehmen in den wenigsten Fällen ein gutes Ende. Zurück zu den Laufschuhen und der Erkenntnis, dass diese hochentwickelt sind. Derzeit sind nicht mehr Dämpfung und Stabilisierung vordergründig wichtig, sondern alles soll so einfach, natürlich und normal wie möglich sein. Minimalschuh wird dies im läuferischen Fachjargon bezeichnet. Ehrlich, manchmal muss ich darüber schon schmunzeln. Schuhe mit sehr wenig Material zu einem hohen Preis. Da schweifen meine Erinnerungen schon mal in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Laufschuhe? Was ist das denn? Meine ersten Laufschuhe haben 5,50 DDR Mark gekostet und bestanden aus einer Gummisohle, ganz wenig Profil, absolut keiner Dämpfung, keiner Führung oder was weiß ich für einen Luxus. Als Oberflächenmaterial diente ein undefinierbarer Stoff. Und das Schöne war, dass gefühlte 99 Prozent aller DDR Bürger, außer unserer Spitzensportlerelite, die gleichen Sportschuhe trugen. Optisch waren sie so sexy wie die Unterhosen von … (zensiert). Die blaue Farbe mit der weißen Sohle war einfach nur grauenhaft. Und wen wundert es, ähnliche Schuhe sind heute modisch angesagt. Damals hat man sich dafür geschämt.

Die Schuhe wurden zum Laufen verwendet und für jede andere Sportart. Ehrlich, das waren tatsächlich Minimalschuhe gewesen, aber in jederlei Hinsicht. Ein minimaler Preis, was wirklich als positiv zu bewerten war. Das Wort Atmungsaktivität war für Sportsachen in der DDR sicherlich noch nicht erfunden. Wenn die Füße schwitzten, dann sollte auch der ganze Schuh was davon haben. Also nach dem Sport pellte ich regelmäßig eine schweißige, nasse und dreckige Masse Namens Fuß aus diesen Tretern. Diese Treter nannte man auch liebevoll Essengeldturnschuhe, denn das Essengeld für das Schulessen lag meines Erachtens auch im ähnlichen Preisniveau. Und wenn die Sonne mal weinte und feuchte Regenstrahlen auf uns niederließ, so waren die Schuhe sofort nass, und es schmatzte mit jedem Schritt. Und wenn das Wasser einmal steht, dann bleibt es auch. So wurde ein Läufer schnell mal zum Wassersportler, heute nennt man dies auch Aquajogging.

Mit diesen Essengeldturnschuhen bin ich Crossläufe gelaufen, habe den Dreck trocknen lassen und danach abgekloppt. Zwei Tage später habe ich damit in der Halle Handball gespielt, den nächsten Tag damit Geräteturnen im Sportunterricht gemacht, und weitere zwei Tage später habe ich damit einen 10 Kilometer-Lauf bestritten. Alles mit dem gleichen Schuh, keine Wechselschuhe. Und ganz hart war, dass ich es überlebt habe. Klar gab es manchmal Blasen an den Füßen, und die waren riesig und auch richtig schmerzhaft. Manchmal haben die Blasen an der Socke geklebt und diese wiederum am Schuh. Da war zerren angesagt, aber ein Indianer kennt keinen Schmerz. Aber scheiß auf die Indianer, das hat teilweise richtig wehgetan, und ich habe sehr oft diese bekloppten Blasen verflucht. Beim Ausziehen der Schuhe ist das Kriegsgeheul der Indianer entstanden. Nur sind wir mal ehrlich, Blasen gibt es auch in den heutigen Laufschuhen ab und an, auch diese können riesig sein und schmerzhaft. Nur der große Unterschied: Damals bekam ich Schmerzen für 5,50 DDR Mark, heute für 100 Euro und mehr. Dennoch will ich in aller Klarheit sagen, ich möchte nie wieder in Essengeldturnschuhen laufen, denn Spaß ist was anderes.

Am Sonntag gibt es dann eine weitere Geschichte aus meinem (Lebens-) Lauf.


Mit individueller Online-Trainingsbetreuung zum Ziel

Online-Trainingsplanung

Diese Ziele können wir gemeinsam angehen:

  • Gewichtsreduzierung/Abnehmen
  • Verbesserung der körperlichen Fitness
  • Besseres Körpergefühl gewinnen und das eigene Wohlbefinden stärken
  • eigene Ausdauerfähigkeit erhöhen
  • Laufziele erreichen, sei es eine bestimmte Laufstrecke erstmals erfolgreich zu finishen oder eine neue Bestzeit zu laufen

Informiere Dich jetzt zur Online-Trainingsbetreuung von Laufen total >>>>>>>>>>


Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo, Heiko, erst einmal zu deinem Blog – du hast das Design geändert, das gefällt mir ausnehmend gut, muss auch mal gesagt werden !!

    Was die Schuhe angeht, so kann ich auch aus 34 Jahre Laufschuherfahrung sprechen, ganz so schlimm wie in der ehemaligen DDR waren sie nicht, zumindest hatte ich in 1979 immerhin schon einen Puma-Laufschuh, wenn auch ein Herren-Modell, denn viele Frauen liefen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was sie damals kosteten, weiß ich nicht mehr.

    Alles in allem, alle möchten Geld verdienen – egal, ob der Schuh gedämpft – oder der zurück zur Natur ist. Solange immer einer dabei ist, der mir zusagt und der mich leicht über die Piste trägt, bin ich froh, dass es Fortschritte gab und gibt – und was ist nicht teurer heutzutage, besonders, seit Einführung des Euro.

    Am besten jedoch, dass die Laufschuhhersteller unseren farblichen Wünschen gerecht wurden und uns nicht mehr das laaaaaaaaaaangweilige weiß-blau, weiß-rot-weißwasich präsentieren.

    Und – wir haben zum Glück die Möglichkeit, uns DEN SCHUH herauszupicken, der uns am meisten zusagt !

    • Hallo Margitta,

      vielen Dank für das Lob. Laufen total hat mit Laufe Marathon nicht viel zu tun, sind beides zwei verschiedene Blogs. Ich war da einfach mit dem Namen nicht mehr zufrieden, denn ich wollte nicht nur auf den Marathon begrenzt werden. Deshalb dieser neue Blog, in 2 Tagen ist Laufen total 1 Monat alt 🙂

      Deine Laufschuherfahrung habe ich natürlich noch nicht ganz. Meine ersten richtigen Markenschuhe hatte ich erst nach der Wende, und das waren damals immer noch keine Laufschuhe, sondern irgendwelche Sportschuhe. Hauptsache da stand irgendwas westliches drauf. Naja, wir waren halt etwas ausgehungert und haben alles genommen, was bei drei nicht auf dem Baum war. Ich denke, zur Preisgestaltung könnte man sehr lange diskutieren, aber da haben wir Läufer sicherlich auch nicht den Einblick, was da so im Hintergrund läuft. Ich will mich auch nicht wegen der Preise beschweren, ich wollte nur mal einen Vergleich aufzeigen. Die Sache mit der Farbe finde ich auch richtig gut, siehe Testbericht Mizuno. Zurzeit können die Schuhe nicht bunt genug sein. Dieses weiß-blau hat tatsächlich irgendwann genervt.

      Wir können uns tatsächlich heutzutage den Schuh herauspicken, der uns gefällt, und wir haben den Luxus einer großen Auswahl. Diesen hatten wir damals in der DDR nicht, da wurde genommen was vorhanden war. Aber es fällt auch manchmal bei der Masse an Schuhen schon schwer, sich für ein oder zwei Paare zu entscheiden 🙂

  2. Heiko ich hab mal in alten Ergebnislisten nachgeschaut, da Du kein gutes Haar an den alten DDR Laufschuhen gelassen hast, die damaligen Laufzeiten bei Straßenläufen waren teilweise in der Masse schneller als heutzutage. Wer heute unter einer Stunde über 15km läuft, wird schon bewundert und dies mit teuren Schuhen. Also so schlecht können die Schuhe nicht gewesen sein und das für wenig Geld. Jetzt könntest Du natürlich einwenden, zu DDR Zeiten war der Km kürzer oder die Zeit lief langsamer. Aber da glaube ich wird es Proteste vieler Veranstalter damaliger Läufe geben. ( habe von Dir etwas gefunden 9.01.1984 2000m 8:08,2 min Laufmehrkampf Aktivist Sporthalle, 29.05.1984 10000m Sportplatz Briesker Straße 48:21min, ich glaube da warst du gerade 12jahre.)

    • Hallo Jürgen,
      ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass du Jürgen M. bist. Wann sehen wir uns mal wieder in der alten Heimat oder bei einem Läufchen? Woher hast Du die ganzen alten Listen? Von damals habe ich überhaupt nichts mehr. Anfang ’84 war ich gerade 12 Jahre alt, und schon damals war ich etwas „bekloppt“; 10 000 m in dem Alter 🙂 Ansonsten sind mir sehr wohl die Zeiten bei Volksläufen von damals bekannt. Ich glaube, mit einer 1:05 h über 15 km ist man schon fast Letzter geworden. Aber ich denke, damals und heute kannst du nicht miteinander vergleichen. Die Leute waren wegen dem harten Training und dem Ehrgeiz so gut. Und Spaß hat es trotzdem in den Tretern nicht gemacht, jedenfalls hatte ich immer Probleme mit diesen Dingern. Schmerzende Füße und Blasen wurden irgendwann als was Normales, was man sowieso nicht ändern kann, angesehen.

      Aber wir hatten keine andere Wahl und mussten da durch. Dazu kommt aber auch, dass Laufen noch nicht den Stellenwert wie in der heutigen Zeit hatte. Irgendwie wurden wir Läufer doch noch als Menschen von einem anderen Stern betrachtet. Einfach nur zur Erholung und des Genusses wegen ist doch kaum jemand gelaufen, jedenfalls ist dies noch meine Erinnerung. Der Leistungsgedanke war doch viel höher als in der heutigen Zeit. Ach, und die Strecken waren nicht kürzer. Kannst Du Dich noch an die regelmäßigen Elsterdamm-Läufe zu Silvester erinnern? Waren glaube auch immer so 10 km lang. Vielleicht können wir beim nächsten Treffen mal über die alte Zeit plaudern 🙂 Bist Du in 2 Wochen in Zeisholz?

  3. Hallo Heiko!
    Du hast richtig geraten, ich bin es. Ein alter Lauffreund den es nach Dresden verschlagen hat. Die Ergebnislisten habe ich natürlich über die Jahre gesammelt, konnte mich nicht trennen von alten Erfolgen und zauberhaften Zeiten. Deshalb auch mein Einspruch zu Deinen Äußerung, „Irgendwie wurden wir Läufer doch noch als Menschen von einem anderen Stern betrachtet.“ , die Starterfelder der damaligen Ranglistenläufe, sind gleichzusetzen, mit den heutigen. Es gab keine großen Citylaufe mit zigtausenden von Läufern, da gebe ich dir recht. Aber es gab schon den Rennsteiglauf, 1981 7500 Teilnehmer und andere Laufhöhepunkte.
    “ dass Laufen noch nicht den Stellenwert wie in der heutigen Zeit hatte“
    Damals war der Spaß an der Bewegung um vieles höher als jetzt.
    Jetzt ist das laufen zu einer Modeerscheinung verkommen, man muß schick sein, bunte Schuhe tragen, dabei sein.
    Würde gerne wieder mal mit Dir plaudern über alte Zeiten, zum durchstöbern würde ich Dir auch mal einige Exemplare „ Der Straßenläufer“ leihen. Mal schauen ob ich es arbeitsmäßig einrichten kann, am Freitag nach Zeisholz zu kommen. Will dann aber am 15.6.nach Großkoschen zum Seelauf und am 30.06 nach Frauendorf kommen, sind beide Läufe für den Niederlausitzcup.

    • Hallo Jürgen,
      wäre schön wenn wir uns in Zeisholz sehen. In Frauendorf werde ich wohl auch mit am Start sein. Ist das Laufen wirklich zur Modeerscheinung verkommen? Ich glaube so hart würde ich es nicht ausdrücken. Die Einstellung der Menschen ist eine Andere. Und ehrlich, wir wollen doch auch nicht komplett in der Zeit stehen bleiben. Es kann doch jeder für sich entscheiden ob er mit modischen Laufsachen laufen möchte oder eben nicht. Die Auswahl hatten wir Früher nicht.

      Vom „Der Straßenläufer“ hatte ich damals auch einige Exemplare, gern würde ich da noch einmal reinschauen. Bis dann, Heiko.

  4. Hallo Heiko,

    das Thema trifft sich gut mit einigen Überlegungen, die mich seit einiger beschäftigen. Man liest in letzter Zeit häufig, dass zu große Dämpfung gar nicht gut für den Fuß ist (s. z.B. Titelthema GEO 04/2014). Nun ist mir auch bewusst, dass in der DDR die fehlende Dämpfung kein Ausdruck einer fortgeschrittenen Wissenschaft war. Aber ich habe den Verdacht, dass das „Hochzüchten“ der Laufschuhe mehr ein Marketing-Thema ist als prinzipiell dem Wohl des Läufers dienen soll. Wenn man dazu noch Gerüchte hört, dass Puma prinzipiell nicht mehr als 1% (in Worten: „ein Prozent“) des Verkaufspreises in die Herstellung investieren will, ist es schon sehr vorstellbar, dass immer etwas Neues erfunden werden muss.
    Ich selbst bin mit den DDR-Turnschuhen den langen Rennsteiglauf gelaufen und habe bis heute keine Gelenkprobleme. Ich denke, einfache Turnschuhe ohne viel Sonderausstattung würden in den meisten Fällen ihren Zweck erfüllen. Vielleicht findet sich ja auch mal ein Unternehmer, der auf die riesige Gewinnspanne und aufgeblähte Marketing-Budgets verzichtet und wieder in Deutschland produziert!?

    • Hallo Detlev,
      mittlerweile gibt es schon wieder andere Stimmen was die Dämpfung betrifft. Ich glaube dies wird sich alle Jahre mal ändern. Wir Läufer müssen für uns entscheiden was gut ist und was nicht. Die damaligen Schuhe haben wir überlebt und wirklich Probleme mit den Gelenken hatte ich damals auch nicht. Aber es ist schon ein sehr komplexes Thema über welches man sicher diskutieren kann. An Spekulationen zwecks Gewinne möchte ich mich aber nicht beteiligen dafür fehlt einfach der Einblick in die verschiedenen Strukturen.

Schreibe einen Kommentar