Mein (Lebens-) Lauf Teil 5 – Im Gebüsch

Im Gebüsch - Mein Lebenslauf Teil 5

Wieder einer dieser Volksläufe, eines dieser Wochenenden, an dem es früh schon losging mit dem Bus an irgendeinen Ort. Ich war vielleicht gerade 13 oder 14 Jahre alt, und damals sind wir mit unserer Laufsektion oft mit dem Bus zu den Volksläufen gefahren. Oder wir haben uns zu fünft in einen Trabant gequetscht. Die Reisen waren schon manchmal abenteuerlich, wir kamen aber immer an. Es gab damals die beliebten Kreisranglistenläufe und Bezirksranglistenläufe. Meine Heimatstadt gehörte zum Bezirk Cottbus. So wie es heutzutage Landkreise gibt, gab es zu Zeiten der DDR Bezirke.

Über das ganze Jahr verteilt wurden Ranglistenläufe angeboten. So ging es für jede Altersklasse um Punkte und Platzierungen. Die Busfahrt war an diesem Tag nichts Besonderes, die Älteren schlummerten noch ein wenig oder schwatzten über die Arbeit. Wir Jüngeren untersuchten unsere Rucksäcke nach den Fressereien, die uns Muttern eingepackt hatte. Denn knapp zwei Stunden vor dem Start hieß es natürlich, alles rein was geht. Und so wurden Süßkram und Frühstücksbrot zugleich inhaliert. Dazu noch eine schön süße Limonade, also beste Voraussetzungen, um den Magen schonend auf einen langen Laufwettkampf vorzubereiten. Am Ort des Geschehens angekommen wurde gleich nach der Konkurrenz geschaut, sind alle da oder fehlt jemand von den starken Läufern. Es waren alle da. Das Umziehen war schnell geschehen, dann noch einmal ein großer Schluck Limonade und es konnte schon losgehen. Kurz vor dem Start hatte ich das Gefühl, heute wird großes geschehen. Ganz Unrecht hatte ich damit auch nicht, wie sich im Verlauf der nächsten Stunden zeigen sollte.

Der Startschuss erfolgte, und das Lauffeld bewegte sich auf einer Waldstrecke auf ziemlich wurzligem Geläuf. Die schnellsten Erwachsenen gaben richtig Gas, und auch die guten Jungs aus meiner Altersklasse waren schon ein Stück weg. Ich begann etwas vorsichtiger, behielt aber meine Konkurrenz im Auge. Nach 1-2 Kilometern hatte jeder Läufer seinen Platz im Lauffeld gefunden, und ich sah aus meiner Alterklasse einige vor mir, aber auch einige hinter mir. Also das Mittelfeld war erst mal meins. Das gute Gefühl machte mir Beine, und da ich am Anfang geruhsam begonnen hatte, konnte ich nach und nach das Tempo anziehen. Läufer für Läufer aus anderen Altersklassen wurde überholt, und irgendwann war ich auch an den ersten Jungs meiner Altersklasse vorbei. Ich sah schon wichtige Punkte auf meiner Haben-Seite. Weiter ging die Jagd. Platz 3 war greifbar. „Grummel“, was für ein Geräusch, war bestimmt der Läufer neben mir. Ich wurde immer schneller. Welch ein geiles Gefühl.

Aber schon wieder so ein komisches Geräusch und dazu ein kurzer Krampf in der Bauchgegend. Was soll das? Ist sicherlich nichts Schlimmes. Weg mit negativen Gedanken, ich lief mittlerweile auf Position 3 in meiner Altersklasse. Platz 2 und sogar 1 waren greifbar. Das wird heute mein Tag, war ich mir sicher, die beiden hole ich mir noch. Und schon wieder dieses Krampfen, dieses mal viel stärker und ein unangenehmes Druckgefühl im Darm. Bis zum Ziel ist es nicht mehr weit, und die beiden vor mir waren nicht mehr weit entfernt. Also volle Pulle, und dann bin ich am Platz 2 dran. Ich sah mich schon auf dem Treppchen. Jetzt nur noch kämpfen. Der Junge auf Platz 1 wurde nervös und merkte, dass ich von hinten mit voller Wucht angerannt kam. Ihm fehlte die Kraft, um selbst zu beschleunigen. Meine Gedanken feierten schon: Ich werde dieses Rennen in meiner Altersklasse gewinnen, ich bin mir ganz sicher. Nur leider hatte ich die Rechnung ohne Abstimmung mit meinen Verdauungsorganen gemacht. Die Krämpfe wurden immer stärker, und es wurde immer schwieriger, dagegen anzukämpfen. Halte durch Junge. Die Toilette wartet im Ziel auf dich. Das Geläuf wurde noch einmal etwas unruhiger, noch mehr Wurzeln und ein kleines Auf und Ab. Der Verdauungstrakt wurde noch einmal durchgewürfelt. Und so langsam wurde es gefährlich, denn mein Schließmuskel signalisierte immer drastischer, dass er in den nächsten Sekunden seine Arbeit einstellen möchte.

Ich konnte wählen zwischen Junge, du blamierst dich total und setzt einen Haufen in die Hose oder aber ab in Gebüsch. Da saß ich nun. Die Mischung aus Limonade, Süßigkeiten und Frühstücksbroten suchte wieder den Weg nach draußen, und ich sah in der Ferne die Platzierungen an mir vorbeilaufen. Da war der Erfolg so nah gewesen, und dann wurde es doch nichts mit dem Treppchen. Damit wurde der Sieg im Gebüsch begraben. Im Ziel durfte ich mir manch einen schlauen Spruch anhören. Aber aus heutiger Sicht kann ich darüber nur Schmunzeln, denn letztendlich lernen wir nur aus Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben.

Am nächsten Sonntag gibt es dann die sechste Geschichte aus meinem (Lebens-) Lauf.

Die bisherigen Geschichten aus dem (Lebens-) Lauf

Mein (Lebens-) Lauf Teil 1 – Mit dem Roller fing alles an
Mein (Lebens-) Lauf Teil 2 – Kameradenschwein
Mein (Lebens-) Lauf Teil 3 – Laufen, wie alles begann
Mein (Lebens-) Lauf Teil 4 – Essengeldturnschuhe


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

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