Mein (Lebens-) Lauf Teil 6 – Aufholjagd

Mein Lebenslauf Teil 6, die Aufholjagd

Irgendwann Anfang 2000 war ich mal bei einem Landschaftslauf in Sachsen über 28 Kilometer am Start. Ein großes Lauffeld wollte unbedingt die landschaftlich reizvolle Strecke mit einigen kleinen Steigungen erleben. Am Start zog sich das Läuferfeld in die Länge, und ich entschied mich dazu, von ganz hinten zu starten. Einfach mal schauen, was passiert, und die einzelnen Impressionen wirken lassen. Vor mir und neben mir aufgeregte Läuferinnen und Läufer; einigen hätte ich optisch die Distanz überhaupt nicht zugetraut. Eine bemerkenswerte Kugel vorn und ein etwas kräftigeres Hinterteil, aber nach vielen Jahren als Läufer habe ich mir abgewöhnt, nach dem Aussehen zu urteilen. 

Über die Jahre habe ich Läufer erlebt, denen hätte ich optisch keine 500 Meter zugetraut, so kaputt und fertig sah ihr Laufstil schon nach 100 Metern aus. Genau diese Personen laufen mit ihrem Stil Marathon und mehr. Neben mir rief noch einmal jemand was zu seiner Frau: „Wenn ich in 5 Stunden noch nicht im Ziel bin, dann liege ich irgendwo auf der Strecke.“ Der hat wirklich Selbstvertrauen, dachte ich mir so, und schon ertönte von vorn der Startschuss. Das Läuferfeld setzte sich in Bewegung. Ganz geruhsam ging es bei uns im hinteren Bereich des Lauffeldes los, keine Eile und keine Hektik. Vorn sah man die schnellen Hirsche richtig auf die Tempotube drücken. Dazu einige Wagemutige, die am Anfang alles gaben, um sich dann die restlichen 27 Kilometer zu quälen. Auf dererlei Selbstzerstörung hatte ich kein Bock. So machte ich ganz, ganz langsam. Und ehe ich mich versah, war ich fast Letzter. Was für ein Gefühl. In Gedanken wusste ich aber, dass dieses langsame Tempo dennoch reichte, um schon nach wenigen hundert Metern die ersten Läufer wieder zu überholen.

Der Gedanke war noch nicht einmal richtig fertig gedacht, da hatte ich auch schon die erste Läuferin eingeholt. Ihr Körpergewicht war – vorsichtig gesagt – erheblich über normal. Und wenn ich ehrlich bin, ich fand es unvernünftig, mit diesem Gewicht eine solche bergige Strecke zu laufen. Im Normalfall schädigen sich die Leute mehr, als dass sie sich was Gutes tun. Den ersten Kilometer absolvierte ich in der Rekordzeit von knapp 8 Minuten. Langsamer geht kaum noch. Aber es machte riesigen Spaß, das Feld langsam von hinten aufzurollen und dabei die einzelnen Personen zu beobachten. Ein älterer Herr schimpfte schon jetzt über die ganzen Wurzeln auf der Strecke. Das konnte noch eine lustige Laufveranstaltung für ihn werden, denn es wurden auf der Strecke noch viel mehr Wurzeln und Unebenheiten. Einige Meter weiter lachte mich eine weiße Boje aus einem Gebüsch an. Bei genauerem Hinschauen durchzog ein rote Farbe mein Gesicht. „Man dies ist ja ein Frauenpo“ knallte es durch mein Gehirn. Was raus muss, muss raus.

Kurze Zeit später hechelte die Dame jetzt wieder mit Hose über dem Hinterteil an mir vorbei. Meine Gedankenwelt konnte es sich nicht verkneifen daran zu denken, dass wir uns sicherlich in nächster Zeit noch mal wiedersehen werden. Mittlerweile war der erste Getränkepunkt erreicht, mein Lauftempo hatte sich auf 6 Minuten auf den Kilometer gesteigert. Mein Körper brauchte noch keine Flüssigkeit, dafür andere umso mehr. Sie knallten sich die Becher in den Kopf, als ob sie schon wochenlang unterwegs wären gewesen. In einem Dorf begrüßten uns an einem Zaun Schweine; ihre Lieblingsbeschäftigung war scheinbar das Fressen. Na dann, guten Appetit. Und weiter ging es. Mittlerweile überholte ich Läufer für Läufer. Nach knapp 8 Kilometern wackelte ein mir bekanntes Hinterteil vor meinen Augen. Wiedersehen macht Freude, dachte ich so bei mir und zog an der Dame, welche jetzt mit hochrotem Kopf glänzte, vorbei.

Auf der Strecke ging es mal etwas bergauf, dann wieder etwas bergab, und die Sonne versuchte, uns von oben zu wärmen. Das gelang ihr sehr gut, und ich freute mich einfach nur. Ein Pferd auf der Koppel wollte uns Läufern mal zeigen, wie richtig gelaufen wird und gab eine Vorführung der schnellen Fortbewegung. Leider konnte ich da nicht mithalten, mein Tempo hat dennoch die 5-Minuten-Grenze für den Kilometer erreicht. Jetzt war der Zeitpunkt erreicht, dass mich ungläubige Blicke trafen als ich an einzelnen Sportler vorbeizog. Einige Läufer sahen doch schon gut fertig aus. Und da hatte ich dann auch schon den Herrn vom Start wieder eingeholt. Ein Blick reichte um zu beurteilen, dies wird noch ein langer Lauf für ihn. Er hatte wohl mit seinen 5 Stunden nicht so ganz unrecht, und seine Frau durfte sicherlich noch eine lange Zeit warten. Ein anderer Läufer meinte, als er mich sah: Hast Du gerade erst begonnen? Diesen Kommentar sah ich als Kompliment an.

Die Verpflegungspunkte wurden der Treffpunkt der Leidenden. Ein Schluck Wasser reichte mir aus, und weiter ging es. Mittlerweile war statt der Gemütlichkeit der Ehrgeiz bei mir angekommen. Ich wollte immer mehr Läufer einholen. Wenn ich den einen erreicht hatte, wurde schon der nächste ausgespäht. Manchmal versuchte noch ein Läufer, sich an meine Fersen zu heften, aber damit haben sie sich dann wohl den endgültigen k.o. gesetzt. Der Kilometerschnitt lag nun unter 4:30 Minuten, und es wurde immer schneller. Ich bewegte mich wie in Trance. Umso erstaunlicher, als auf einmal das Schild nur noch 1 Kilometer auftauchte. Was, jetzt ist schon Schluss? Im Ziel kam ich mit freudigen Augen an, und am liebsten wäre ich weitergelaufen. Ein fabelhafter Lauf mit vielen positiven Eindrücken.

Ein besonderer Lauftag war beendet. Ich war nicht ganz vorn, und dennoch war es ein unvergesslicher und emotionaler Lauf. Im Ziel die Gewissheit zu besitzen, es wäre noch viel mehr gegangen, hat was. Und ich denke gerade, so einen Lauf sollte ich wohl mal wiederholen, denn lang ist es schon wieder her.

Weitere Geschichten aus meinem (Lebens-)Lauf findet Ihr hier:
Mein (Lebens-) Lauf Teil 1 – Mit dem Roller fing alles an
Mein (Lebens-) Lauf Teil 2 – Kameradenschwein
Mein (Lebens-) Lauf Teil 3 – Laufen, wie alles begann
Mein (Lebens-) Lauf Teil 4 – Essengeldturnschuhe
Mein (Lebens-) Lauf Teil 5 – Im Gebüsch


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

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