Der wunderbare Tag eines ganz normalen Läufers…

Lauftag
Dong, dong, dong – geil die Kirchturmglocke sagt mir ganz deutlich, es ist 3 Uhr morgens und die beste Zeit, um aufzustehen. Klar, warum auch nicht, bin ja schon 23:00 Uhr ins Bett gegangen. Warum bin ich eigentlich schon wieder wach, und warum drehen sich schon wieder zig Gedanken in meinem Kopf? So, jetzt könnte ich den Kadaver weiter im Bett parken, mir noch mehr Gedanken machen, und genau dies mache ich erstmal. Ich denke über den letzten Tag nach, über die Vergangenheit als junger Läufer und den großen Kindheitstraum Olympiasieg. Aber mein Umfeld meinte es damals besonders gut mit mir und war der festen Überzeugung, dass dies alles nur Träume und diese sind bekanntlich nur Schäume sind. Aus heutiger Sicht ein trauriger Rückblick. Warum gab es damals nicht einen Erwachsenen, der den Arsch in der Hose hatte und sagte: „Geiles Vorhaben Jungchen, packen wir es an, und ich unterstütze Dich. Lassen wir es im Training richtig brennen, und dann klappt es mit Olympia.“ Haben erwachsene Menschen nicht eine Verantwortung für Kinder und Jugendliche? Und aus meiner Sicht gehört es eben auch dazu, die angeblichen Spinner und Träumer zu fördern und ihnen den Weg zu ebenen.

Warum wird in unserer Gesellschaft eigentlich alles niedergeredet und klein gemacht? Klar werden nur ganz wenige je bei den Olympischen Spielen dabei sein und noch weniger werden dort gewinnen. Leider werden aber Ideen und Träume zu schnell vernichtet, ohne diesen je eine Chance gegeben zu haben. Ich für meinen Teil habe alles versucht. Die Leichtathletik wollte mich nicht, denn die brauchten Sprinter und Springer. Ich war nur ein Junge, der nichts anderes wollte als Laufen und dies hat eben nicht ins Schema gepasst. Also habe ich mich selbst bei Volksläufen angemeldet und bin dort um mein Leben gerannt, habe selbst mein Training organisiert und bin mit meinen 10,11,12 Jahren natürlich ordentlich auf die Schnauze gefallen. Mein einfaches Prinzip: jeden Tag so schnell wie möglich, mehr und weiter und jeden Tag eine neue Bestzeit. Ja, der Wille war da. Es hat einfach jemand gefehlt, der den Idealismus und den riesigen Willen fördert.

Was soll ich sagen … Mit dem Olympiasieg hat nicht geklappt, auch war ich nie wirklich der Schnellste, aber das Laufen wurde zu einer Leidenschaft. Eine Sache, die mich fast mein ganzes Leben begleitet, fern jeglichen Wettbewerbs. Und ohne dass ich es früher wusste, erstellte ich mir selbst das Handwerkszeug, um irgendwann selbst als Laufcoach und Personal Trainer tätig zu sein. Mittlerweile darf ich seit knapp drei Jahren anderen Menschen diese Leidenschaft näher bringen. Und ganz besonders gern betreue ich LaufeinsteigerInnen, die gern laufen wollen, sich aber nicht trauen, weil sie nie gefördert worden sind. Wir können gemeinsam Ziele angehen, manchmal klingen diese am Anfang genauso abenteuerlich wie mein Olympiasieg, aber nichts ist unmöglich. Eine realistische und zielgerichtete Herangehensweise kann und wird vieles möglich machen, und dafür liebe ich meine Tätigkeit als Laufcoach und Personal Trainer. Auch wenn dies in der Selbständigkeit bedeutet, selbst und ständig auf Achse zu sein.

Dong, da bin ich auch schon wieder in der Realität. Es ist 3:15 Uhr Mann, kann ich nicht endlich wieder einpennen? Klick, was ist denn das schon wieder für ein Geräusch, dazu ein ungesundes Husten. Alles klar, in der Nachbarschaft kann auch jemand nicht schlafen und haut sich auf dem Balkon erstmal eine Zigarette rein. Dafür stellen die sich sogar nachts auf den Balkon. Hut ab denke ich mir so, da muss es aber jemand nötig haben. Oder aber es ist die tolle Zigarette danach. Weiter will ich meine Gedanken nicht spinnen. Ich haue mich auf die Seite, schließe wieder die Augen und habe Ideen. Habe Ideen für Laufen total, teilweise schon ganz schön irre und dann wieder fassbar und gut anfühlend. Und so macht es wieder Dong, Dong und Dong, Dong, Dong und irgendwann macht es grrrrrrrrrrrrrrrrrr. Ein Zeichen, dass es morgens 5 Uhr und jetzt tatsächlich bald Zeit ist, den neuen Tag zu starten. Ein bissel veräppelt aufgestanden, wissend, doch noch eine Stunde geschlafen zu haben, mit dem Kopf gegen die Dachschräge, die sich genau über meinem Bett befindet, geknallt und kurzfristig beschlossen, noch eine weitere Stunde im Bett zu verbringen. Mit diesem Anfang kann der Tag ja nur bääähhhhh werden. Gleich wieder ins Koma gesackt, um gegen 6 Uhr dann endlich zu starten. Ab ins Bad, etwas kaltes Wasser ins Gesicht gedrückt, mit der Zahnbürste gekämpft und mal wieder die tolle Feststellung getroffen, dass das Klopapier heutzutage viel schonender als zu Zeiten der DDR ist. Danach die Laufsachen zusammengesammelt und nach dem Nasenprinzip angezogen.

Kennt Ihr das Nasenprinzip? Ganz einfach, dran riechen und entscheiden, ob es noch geht oder nicht. Ein Shirt roch ordentlich nach Puma; dies wollte ich mir dann doch nicht antun, dafür aber ein anderes Shirt, welches vor zwei Tagen noch nach dem Berglöwen gerochen hat. Aber zwei Tage lüften lassen, hilft manchmal, der Berglöwe ist verschwunden und damit ist das Ding wieder tragbar. Bei den Hosen und Socken spare ich mir aber das Prinzip, die Dinger stehen noch nicht von alleine und lebendig sind sie auch noch nicht, also tragbar. Dann noch die schnell die passenden Schuhe ausgewählt. Stopp, hier passt was nicht. Das Wort schnell passt hier nicht, denn bei über 20 Paar Laufschuhen ist es jedesmal eine Geburt. Also die genommen, welche am buntesten und auffälligsten aussehen und los geht es.

Die ersten hektischen Menschen kommen mir entgegen, alle wollen oder besser müssen zur Arbeit. Wenn Blicke töten könnten, würde ich jetzt wohl umfallen. Im Laufschritt geht es an schönen Eigenheimen vorbei, der Traum vieler Menschen. Ich kann mir die Gedanken nicht verbieten und so denke ich darüber nach, wie es diesen Menschen wirklich geht. Welches Haus ist wirklich abgezahlt, welche Sorgen und Nöte haben diese Menschen, und wer ist mittlerweile zum Sklaven des eigenen Hauses geworden? Weiter geht mein Weg an einem Fluss entlang. Ein Hundehalter wird gerade von seinem Hund ausgeführt. Ich finde diese Anblicke schon lange nicht mehr lustig und denke mir so meinen Teil. Und endlich ist die Zivilisation hinter mir, die Ruhe des Waldes trifft mich mit einem Schlag….. und schon gehe ich zu Boden. Scheiße, hätte ich mal die Augen auf gemacht. Ein Ast präsentiert sich schön auf Kopfhöhe über dem Weg und die Dunkelheit des Morgens und eine fehlende Stirnlampe ließen zu, dass ich den Ast übersah. Wie sage ich immer so schön: Immer mit der Natur und eins mit der Natur werden. Ich denke, dieses Prinzip habe ich wieder voll verinnerlicht. Mit geschärften Sinnen geht es weiter, und langsam aber sicher kommt auch die Helligkeit des Morgens zum Vorschein. Einige Rehe äsen auf dem Feld und lassen sich von dem einsamen Läufer nicht stören. Ganz im Sinne der Tiere denke ich jetzt: Hoffentlich sitzt hier nirgends ein Jäger rum. Auf einem Verbindungsweg von einem Dorf in ein anderes kommt mir eine ältere Dame mit Rad entgegen, ein nettes Guten Morgen und schon sind wir aneinander vorbei. Mittlerweile versammeln sich in meinem Gehirn wieder alle Ideen und Gedanken, um freigelassen zu werden und ehe ich mich versehe, ist die morgendliche Laufrunde vorbei.

Was mit den Sachen funktioniert, funktioniert auch mit dem Menschen. Also wieder den Nasentest gemacht und entschieden, dass es heute schlauer ist, noch kurz unter die Dusche zu gehen. Also, wie ein Puma riechen kann ich schon, jetzt muss ich nur noch das schnelle Laufen des Pumas hinkriegen…. Nach der Dusche gibt es Frühstück. Natürlich nur das Ungesunde und Schlechte, genau das Zeug also, vor dem immer gewarnt wird. Es gibt Brötchen aus bösem Weizenmehl und Marmelade, welche mit viel Zucker eingekocht wurde. Dazu noch Tee und etwas Obst. Und es geht mir wunderbar damit und schon mache ich mir wieder Gedanken. Soll es wirklich gut sein sich jeden morgen irgendwelche Smoothies in den Kopf zu drücken, ist es wirklich gut, immer nur Körner zu essen? Ich habe meine Zweifel. Auch stelle ich es infrage, ob diese Formen des Frühstücks so gesund sind. Letztendlich muss jeder Mensch für sich entscheiden, was gut für ihn ist. Wenn mir mein Körper nach zwei Stunden sagen würde, ich habe keine Energie mehr, dann passt da vielleicht was in der Ernährung nicht. Aber ich möchte jetzt hier keine Ernährungsberatung starten.

Der Arbeitstag beginnt ganz unspektakulär: Mails abrufen, Tagesablauf planen, Telefonate führen, die sozialen Medien begutachten und dabei mal wieder feststellen, dass dort viel zu viel Zeit verschossen wird. Erste Pläne von Kunden aus der Online-Trainingsbetreuung auswerten und erste Pläne für die folgende Woche schreiben. Mails beantworten und dann feststellen, dass es gleich 11 Uhr ist und ein erstes Personal Training auf dem Plan steht. Jetzt saubere Sportsachen aus dem Schrank genommen, denn die Kundin soll natürlich nicht den Puma riechen und ab zum Treffpunkt. Gemeinsam geht es in den Wald, um diesen für verschiedene Fitnessübungen und Kräftigungen zu nutzen. Nach einer Stunde das etwas geschaffte Feedback einer fertigen aber glücklichen Frau: „Ab heute sehe ich eine Parkbank aus einem ganz anderen Blickwinkel.“ Ich muss kurz grinsen und denke zurück an ihre fluchenden Worte als ich eine nach der anderen Übung aus die Ärmel schüttelte und sie es sich nicht erklären konnte, wie mehr als 12 Übungen an einer Bank möglich sind. Mit einem Lächeln in beiden Gesichtern verabreden wir uns für übermorgen, um zu schauen, ob die Bank noch steht und noch weitere Übungen hergibt.

12:30 Uhr zu Hause angekommen, Nasentest gemacht, und wieder geht es unter die Dusche. Danach Mittagessen gekocht, diese Zeit muss sein und ist fest eingeplant. Heute stehen Möhrchen auf dem Plan. Schnell Kartoffeln geschält, die Möhren gesäubert und klein geschnitten, alles in einen Topf Gewürze und Wasser dazu und eine halbe Stunde später ist ein leckeres Mittagesssen in Form eines Möhreneintopfes fertig.

13:30 Uhr ein bissel die Website bearbeitet, einen Ablaufplan für einen Kurs geschrieben und noch einige Mails beantwortet. Dann gegen 15 Uhr wieder in die Sportsachen gesprungen, diesmal diese vom Vormittag genommen, geruchstechnisch wirklich noch wie frisch – gut, ich musste ja auch nicht viel schwitzen am Vormittag, sondern habe schwitzen lassen. Um 15:30 Uhr steht mit einer jungen Dame Ausdauertraining auf dem Programm. Einlaufen, Laufkraft, Lauf-ABC, Steigerungsläufe, 2-3 Temposachen und auslaufen. Wir haben viel Spaß und finden es lustig, beim schnellen Laufen in die Pfützen zu springen. Ja, es regnet mittlerweile, aber bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter. Ich glaube, sie hat das Training genossen und vor allem das Spüren der Natur. Denn es gehört auch dazu, einfach mal die Sau rauszulassen und in Pfützen und Pampe zu springen. Einfach mal leben und von den gesellschaftlichen Zwängen befreien. Dies finde ich auch im Personal Training wirklich wichtig. Gegen 17 Uhr geht es wieder nach Hause. Jetzt steht die Familie im Mittelpunkt. Es wird nochmal zum Einkaufen gefahren, etwas gespielt und gemeinsam zu Abend gegessen.

Und zum abendlichen Abschuss gibt es dann meist noch ein tolles Fachbuch, und fertig ist der wunderbare Tag eines ganz normalen Läufers…


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Diese Ziele können wir gemeinsam angehen:

  • Gewichtsreduzierung/Abnehmen
  • Verbesserung der körperlichen Fitness
  • Besseres Körpergefühl gewinnen und das eigene Wohlbefinden stärken
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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Heiko, ein normaler Tag? Dong Dong 🙂 Ich hoffe nicht das Deine Tage wirklich immer so aussehen 🙂
    Ich freue mich schon auf Deine nächste Story …..wenn ich mir etwas wünschen darf, dann bitte eine Beschreibung eines typischen Personal Trainings.

    Liebe Grüße Leen

  2. Wenn ich diesen Text irgendwo im www gesehen hätte ohne Überschrift…unverkennbar Heiko. Klasse Einblick in deinen Tag. Und auch ich denke, Frühstück kann nur dann gut sein, wenn es geschmeckt hat. Egal, was auf dem Teller lag. Und ein ganz normaler (Fast-)Läufer, der das Laufen nicht zum Beruf hat, der überlegt den ganzen Tag, wo er genügend Zeit zum Laufen zusammen kratzen kann.
    Liebe Grüße

  3. kurz und knapp… ein tolle bericht und danke für den einblick in deinen typischen tag… auch wenn es hier sehr harmonisch klingt, kann ich mir vorstellen, wie stressig diese tage sind…

    cheers

    der Danny

    • Danny ich habe kein Stress, wenn ich Stress hätte dann würde ich diesen Job nicht machen. Ich bin mit Leidenschaft und Freude Personal Trainer und habe ein Hobby zum Beruf gemacht.

  4. Hört sich nach einem ganz wunderbaren Tag an, nach Spaß, bisschen öde Arbeit und viel Humor. Freue mich auf’s Laufcamp Anfang März.

    • Hallo Andrea,

      die Arbeit ist nicht öde 🙂 Es macht riesigen Spaß und das Beispiel hat einen Tag aufgezeigt. Und auch ich freue mich auf Euch, in einer Woche findet dann das Laufen total Laufcamp statt.

      Mit sportlichen Grüßen

      Heiko

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