Ein Interview mit dem Läufer Sebastian

Sebastian Interview

Für meine Interviewserie auf Laufen total bin ich immer wieder auf der Suche nach interessanten Läufern und ihrer Geschichte. Und ehrlich, eigentlich hat jeder Mensch eine eigene interessante Geschichte und sicherlich viel zu erzählen. Um das Laufen, das Training und viel mehr geht es im folgenden Interview mit Sebastian Apfelbacher. Aufmerksam bin ich auf Sebastian durch Facebook und seiner Teilnahme am Runbird-Programm geworden. Weiteres im nun folgenden Läufer-Interview.

Hallo Sebastian, stell Dich mal kurz vor: Wer bist Du? Was machst Du?
Sebastian Apfelbacher (*1978): Ich lebe mit meiner Frau Esther und unseren drei Mädels (1 – 4 – 7 Jahre) im unterfränkischen Dettelbach. Als Dipl.-Ing. für Weinbau und Önologie arbeite ich in unserem Familienweingut (www.apfelbacher-wein.de) hier in Dettelbach, wo wir knapp 30 ha eigene Rebfläche bewirtschaften. Seit knapp 20 Jahren bin ich Vegetarier.

Wie bist Du zum Laufen gekommen? Gab es einen besonderen Grund mit dem Laufen zu beginnen?
Sportlich war ich schon immer. Mein Einstieg in den Ausdauersport erfolgte so mit 11 Jahren: Damals waren mein Bruder und ich häufig mit unserem Vater auf unseren Rennrädern unterwegs. Mit 14 Jahren trat ich der Radsportabteilung der TG Kitzingen bei, wobei meine Schwerpunkte schon damals auf langen Ausfahrten und Radmarathon lagen, weniger auf kurzen Wettkämpfen. Das Laufen war für mich zu dieser Zeit eher Nebensache. Das änderte sich jedoch schlagartig direkt nach dem Abitur mit meinem Eintritt in die Bundeswehr im Juli 1998. Plötzlich war keine Zeit mehr für lange Ausfahrten, und ich begann sehr viel zu laufen. Das Laufen gab mir einen guten Ausgleich während der Zeit dort – Wettkämpfe waren kein Thema, bis auf meinen ersten Marathon im September 1998: Völlig ohne zuvor nach Plan trainiert zu haben, entschied ich freitags, dass ich am Samstag beim Marathon in Schweinfurt starte (Finish in 3:15). Direkt nach der Bundeswehr begann mein Studium. Das Laufen begleitete mich weiter ohne große Wettkampfambitionen und strukturiertes Training, bis ich mir irgendwann im Winter 2000 während eines Laufes im Wald dermaßen meinen Fuß vertreten habe, dass ich durch diese Verletzung lange nicht mehr laufen konnte und auch durch immer wieder auftretende Schmerzen irgendwie die Lust daran verloren habe. Die folgenden Jahre lief ich dann nur noch sehr selten: Jeder Neubeginn wurde jäh von immer wiederkehrenden Schmerzen im Sprunggelenk und im Knie beendet.

Erst mit einem Bonuslauf für unseren Kindergarten im Juni 2009 fand ich wieder Lust und Spaß am Laufen. Ich schloss mich einer kleinen Laufgruppe an und nahm mein regelmäßiges Training auf.

Sebastian beim Ultratrail

Was bedeuten für Dich das Laufen und der Sport im Allgemeinen?
In erster Linie stellt das Laufen einen Ausgleich zu Beruf und Familie dar: An meinem Arbeitsplatz sitze ich (teilweise) sehr/zu viel am PC, sodass ich durch das Laufen meinem Bewegungsdrang meist schon vor der Arbeit nachkomme.

Du nimmst an vielen Laufwettkämpfen erfolgreich teil. Was geben Dir die Wettkämpfe, und wie wichtig ist für Dich der Wettstreit mit anderen Sportlern?
Schon 6 Wochen nach Beginn meines regelmäßigen Trainings im Juni 2009 habe ich meinen ersten Halbmarathon bestritten, weitere 2 Monate später Marathon. Und wie es so kommt: Ich fand Gefallen an den Veranstaltungen und lernte immer wieder neue „Gleichgesinnte“ kennen. Wir kamen ins Gespräch über diesen und jenen tollen Laufevent und ehe ich mich versah, hatte ich über die letzten 4 Jahre um die 80 Laufwettkämpfe bestritten, davon 30 Marathons (oder länger). Klar, der Wettstreit mit anderen gewinnt irgendwann an Gewichtung, je weiter oben man in den Ergebnislisten steht. Generell stehen aber der Ausgleich zu Beruf und Familie, der Spaß an der laufenden Bewegung und mein ganz persönlicher, sportlicher Ehrgeiz ganz oben.

Wo läufst Du im Training am liebsten, im Wald, in Parks oder sogar im Fitnessstudio auf dem Laufband? Und warum gerade dort?
Viele meiner Trainingseinheiten laufe ich früh morgens vor der Arbeit. Ich starte hierzu zwischen 05:00 Uhr und 05:30 Uhr und bin dann eine gute Stunde unterwegs. Auch im Winter! Mehr als die Hälfte meiner morgendlichen Einheiten laufe ich über das Jahr gesehen folglich mit Stirnlampe und – gezwungenermaßen – auf befestigten Wegen, da mir anders die Verletzungsgefahr im Dunklen zu groß ist. Am liebsten laufe ich jedoch im Wald auf Trailpfaden oder auf Panoramastrecken mit weiter Fernsicht.

Trainierst Du eher nach Bauchgefühl, oder bist Du jemand, der eine Trainingsplanung als sehr wichtig empfindet. Biete uns da bitte mal einen Einblick in Deine Vorgehensweise.
Ich trainiere so gut es geht strukturiert, jedoch für meine erlaufenen Zeiten und Ergebnisse auch oft zu langsam und zu wenige Wochen-km, da sollte noch deutlich Luft nach oben sein. Ganz strikt an einen festen Plan, z.B. 10 oder 12 Wochenplan zur Marathonvorbereitung, halte ich mich nicht, denn das kollidiert dann mit den vielen Laufveranstaltungen und Wettkämpfen, an den ich aktuell viel lieber teilnehme. Vielmehr variiere ich im Training und laufe so, wie es eben mit Familie und Beruf vereinbar ist.

Wie viel Zeit investierst Du wöchentlich in den Sport, und was sagt Deine Familie dazu? Sicherlich ist es nicht immer einfach, den Spagat zwischen Beruf, Familie und Sport zu schaffen oder?
Mein durchschnittliches Laufpensum in einer Woche beträgt ca. 5 – 6 Stunden, in einer direkten Marathonvorbereitung auch mal mehr. Die 100 Wochen-km habe ich bisher allerdings erst 2 x geschafft. Und wie schon gesagt: Mit Rücksicht auf meine Familie trainiere ich viele meiner Laufeinheiten, wenn meine 4 Frauen noch schlafen. Das Training in die Abendstunden zu verlegen fällt zu oft dem gemeinsamen Abendessen oder der Arbeit zum Opfer.

Kennst Du Leistungsdruck, und wie gehst Du damit um?
Leistungsdruck im eigentlichen Sinn kenne ich zum Glück nicht.

Sebastian beim WeinhallalaufDu hast gerade Deinen ersten 100-Kilometer-Lauf in Leipzig gefinisht. Welche Erfahrungen hat Dir der Lauf gebracht? Was hast Du unterschätzt? Und was würdest Du beim nächsten 100-Kilometer-Lauf anders machen?
Die 100 km in Leipzig bin ich wieder mal sehr spontan gelaufen, weil es sich mit unserem kurzfristigen Urlaub in Berlin und Leipzig sehr gut verbinden ließ. Folglich habe ich mich hierfür gar nicht vorbereitet. Mein einzigen langer Lauf war der Fichtelgebirgsmarathon Mitte Juli, sonst bin ich im Juni und Juli nur kurze Wettkämpfe gelaufen. Meine Erwartung war nicht zu hoch, jedoch konnte ich jede Menge lernen: Meinen größten Fehler bei diesem Lauf habe ich bei der Wahl der Schuhe begangen, indem diese zu feinfühlig und flach gedämpft waren. Denn bereits nach 40 km hat ich so „brennende“ Fußsohlen, dass ich eigentlich aussteigen wollte. Bei 50 km habe ich dann meine Schuhe gegen andere getauscht. An meiner mentalen Stärke für so einen 10 Runden-Kurs muss ich ebenfalls noch arbeiten, ich bin es einfach nicht gewohnt, immer wieder die gleiche Runde zu laufen. Generell bin ich jedoch mit meinem ersten Hunderter in einer Zeit von 8:39:15 zufrieden. Die erste Hälfte (50 km-Split: 3:45:56) war ich super unterwegs, auf der zweiten hatte ich dann deutlich Tempo herausgenommen (aufgrund der Fußprobleme) und habe mich bei jeder 10 km-Runde immer wieder neu motivieren müssen/lassen.

Wie oft hast Du ans Aufgeben gedacht, und wie gehst Du bei Wettkämpfen insgesamt mit schwierigen Momenten um? Hast Du da für die Leser eventuell besondere Tipps?
In fast allen Wettkämpfen erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man „beißen“ muss oder den ein oder anderen Gedanken an den Ausstieg verliert. Selbstmotivation, Ablenkung oder auch der Gedanke an das tolle Gefühl nach Überschreiten der Ziellinie helfen mir aber über solche Punkte hinwegzukommen. Bisher habe ich noch keine Wettkampf abgebrochen, denn: Wer einmal aufgibt, wird immer wieder verlieren – und zwar den „Kampf“ gegen sich selbst.

Die Motivation spielt im Sport auch eine große Rolle. Wie motivierst Du Dich zu immer neuen Taten im Training und/oder Wettkampf?
Größter Motivator neben dem Spaß und der Freude am Laufen ist meine Familie.

Was würdest Du Einsteigern auf dem Weg zur einer „Laufkarriere“ mitgeben?
Auf jeden Fall ohne Streß und Erfolgsdruck mit dem Laufen beginnen, so weiterführen und die Freude an dieser tollen Sportart nie verlieren.

Woher kommt Deiner Meinung nach der Drang von Menschen, nach immer größeren Herausforderungen zu streben? Im Laufsport scheint es nach oben mittlerweile kaum noch Grenzen zu geben.
Das, so denke ich, ist völlig normal, dass man immer nach neuen Reizen und Herausforderungen strebt – der Laufsport bleibt davor auch nicht verschont. Medien und Sozial Media geben ihren Beitrag aber definitiv auch dazu. Oft ist ein Besinnung auf das Wesentliche, nämlich das Laufen als natürlichste Fortbewegung, ratsam und wünschenswert.

Du gehörst auch dem RunBirds Programm von Mizuno an. Was bedeutet das für Dich, und welche Erwartungen hast Du an diese Teilnahme?
Ich fühle mich schon geehrt, dass ich als einer von nur 15 RunBird`s in Deutschland für meine Lieblingslaufschuhmarke Mizuno aktiv sein darf. Toll finde ich, dass auch Mizuno mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche von uns Läufern eingehen möchte. Ich fand das Projekt bisher toll und bin sehr gespannt, was noch alles auf uns zukommt.

Was ist für Dich an Mizuno so besonders?
Bis bin ich sehr überzeugt von der in den Mizuno-Schuhen verbauten „wave“. Allgemein habe ich ein super Gefühl in den Schuhen und bin sehr zufrieden mit der Qualität und Paßform.

Sebastian beim MarathonWelche Chancen siehst Du für Unternehmen, wenn sie mit der Basis, also uns Läufern, mehr zusammen arbeiten würden?
Standardisierte Labortests sind die eine Wahrheit – in der tatsächlichen Praxis wird aber diese Wahrheit auf eine ständige Probe gestellt und muss sich erst beweisen. Die Sportartikelhersteller können so u.a. Fehlentwicklungen in ihren Produktlinien vermeiden.

Sind für Dich Marken wichtig oder zählen vor allem die Qualität und der Preis für einzelne Laufbekleidungen und Laufschuhe?
Ganz oben steht für mich die Qualität der Produkte, gefolgt von Innovation, Usability und Preis. Die Marke an sich ist für mich eher untergeordnet, was nicht heißen will, dass ich nicht einer liebgewonnenen Marke treu bleibe.

Was war bisher Dein schönsten Lauferlebnis, und wie sah dieses genau aus?
Puh, da hatte ich schon wirklich viele: tolle Erfolge (wenn ich ganz oben am Treppchen stehen darf oder meine gesetzte Zeit wieder deutlich unterbieten konnte), landschaftlich wirklich überragende Läufe aber auch viele Details von Event, die einfach hängen bleiben – jedoch auf eines festlegen, das kann ich nicht.

Gab es auch schon mal das komplette Gegenteil? Was ist da genau geschehen?
Zum Glück kann ich hier nichts berichten.

Ich bedanke mich für Deine Ausdauer bei diesem Interview. Wo soll es für Dich sportlich in den nächsten Jahren noch hingehen?
Auf jeden Fall möchte ich an meiner PB von 2:44:02 im Marathon deutlich arbeiten, evtl. sogar mal mit einem strickten Trainingsplan. Ebenso kann ich mir einen weiteren 100 km Lauf gut vorstellen – diesmal aber dann mit Vorbereitung. Und sonst – mal sehen, was das Laufjahr 2014 so alles bringt …


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein tolles Interview. 😉 Für mich sind solche Läufe Utopie und ich werde solche Distanzen auch nie laufen. Darum ziehe ich meinen Hut vor diesen Läufern und deren Leistungen… 🙂

    • Hallo Daniela,
      man sollte nie nie sagen 🙂

      Aber ehrlich, es ist auch nicht notwendig solche Distanzen zu laufen. Hauptsache Du hast Freude am Sport und da ist egal ob es nun 1 Kilometer oder etwas mehr sind. Aber die Leistung welche Sebastian vollbringt ist schon großartig.

  2. Einen schönen und vor allem schnellen Weg zum Laufen zeigt da Sebastian. Super interessant zu lesen, was alles so möglich ist und für manche so einfach scheint. Ein sehr interessantes Interview mal wieder, Heiko.

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