Läufer-Interview mit Eddy

Eduard Andrae im Interview

Wer als Läufer etwas aktiver in der Blogosphäre unterwegs ist, wird sicherlich schon einmal auf den Namen Eduard Andrae gestoßen sein oder ganz einfach nur Eddy genannt. Eddy wohnt in Bremen, ist Läufer, bloggt gern über sein Hobby und macht das eine oder interessante Filmchen. Im Rahmen des BMW-Bloggertreffens im Juni durfte ich den netten Kerl kennenlernen. Und da war schon klar: Mit Eddy musste ich unbedingt mal ein Interview führen. Und wie es so ist, gesagt, getan. Knapp 3 Monate später ist es soweit. Anbei das kurzweilige Interview mit Eddy.

Hallo Eddy, ein sportliches Motto von Dir findet man im Header Deines Blogs: „Es ist nicht die Zeit, die zählt, es ist Deine Leidenschaft!“. Wie sieht Deine Leidenschaft zum Laufen genau aus, und wie kam es zu dieser Leidenschaft?
Entdeckt habe ich die Leidenschaft für’s Laufen erst im Jahr 2006, damals wurde ich gerade 40 Jahre alt. In diesem Jahr beschloss ich, mehr für meine Gesundheit zu tun: Ich habe mit dem Kettenrauchen aufgehört und mit dem Laufen angefangen. Seitdem kann ich mir ebenso wenig vorstellen, mit dem Laufen aufzuhören, wie wieder mit dem Rauchen anzufangen.

Wie wichtig sind für Dich mittlerweile der Sport allgemein und das Laufen im Speziellen? Was genau gibt Dir das Laufen?
Wie gesagt, ich kann mir nicht mehr vorstellen, mit dem Laufen jemals wieder aufzuhören. Beim Laufen kann ich mich je nach Stimmung und verfügbarer Zeit entweder mal kurz auspowern oder aber stundenlang unterwegs sein und die Umgebung (speziell die Natur) genießen. In jedem Fall gibt mir Laufen das Gefühl zu leben. Ich nehme meinen Körper sehr intensiv wahr, und ich spüre, dass es gut für mich ist, sich zu bewegen.

Was muss mit einem Menschen passieren, damit er den Weg vom Kettenraucher zum Läufer geht? Wie sah dies bei Dir genau aus?
Ganz kurz gesagt, es muss einfach “klick“ machen. Um mit dem Rauchen aufzuhören, braucht man einen sehr persönlichen, wichtigen Grund. Das kann für jeden Menschen ein anderer sein: die Angst vor Lungenkrebs oder vor einem Raucherbein oder das Wissen, dass man stinkt. Bei mir war es die enorme Geldverschwendung. Ich hatte damals über 250,Euro pro Monat verqualmt. Das Geld wollte ich besser verwenden. Hinzu kam noch die Erkenntnis, dass der Körper nach nur 2 Tagen schon vom Nikotin entwöhnt ist. Alles, was danach an “Entzugserscheinungen” zutage tritt, ist ausschließlich und allein Kopfsache! Das hat mich darin bestärkt, dass ich es schaffen kann. Mit dem Laufen habe ich gleichzeitig begonnen, weil ich damit die “Reinigung” des Körpers vom Nikotin beschleunigen wollte. Es ist nachweisbar möglich, durch sportliche Aktivitäten den Körper schneller wieder zu “gesunden”, die Lunge vom Nikotin zu befreien und das Risiko für Krebserkrankungen zu vermindern.

Ich finde, Du gehst ziemlich offensiv damit um, dass Du eben nicht gertenschlank bist und trotzdem richtig Bock auf das Laufen hast. Was kannst Du den Personen, die eben nicht dem „Ideal“ eines Läufers entsprechen, auf den Weg mitgeben, wenn diese mit dem Laufen anfangen möchten?
“Nicht gertenschlank” ist ja mehr als geschmeichelt. Ich habe mit einem BMI um die 30 mehr als 10 Kilo Übergewicht. Und komme nicht davon weg. Aber das hindert mich nicht daran, beim Laufen jede Menge Spaß zu haben! Natürlich bin ich nicht in der Lage, Spitzenzeiten zu laufen. Ich habe mich daher schon lange davon verabschiedet, bei Wettbewerben auf die Zielzeit zu achten. Vielmehr bin ich dann lieber mit einem Lächeln unterwegs. Und genau das ist meine Empfehlung an alle “Gleichgesinnten”: Es ist nicht die Zeit, die zählt, es ist Deine Leidenschaft. Habt Spaß und lauft mit einem Lächeln im Gesicht!

Was war für Dich selbst in läuferischer Sicht bisher die größte Herausforderung, und wie hast Du diese gemeistert?
Da es in meinem Fall nicht die Zielzeit ist, die ich als Herausforderung sehe, ist es natürlich die Länge der Strecke. Also je länger, umso größer die Herausforderung. Hier war der Rennsteiglauf im Jahr 2012 mein bisheriger Höhepunkt. Ich war fast 10 Stunden unterwegs, bis ich nach 73 Kilometern (und einigen Höhenmetern) glücklich das Ziel erreicht habe. Wie habe ich diese Herausforderung gemeistert? Naja, mit viel Spaß wie sonst… Ich habe mir Zeit genommen, um unterwegs tolle Gespräche zu führen und schöne Bilder zu schießen. So hat es zwar 9,5 Stunden gedauert, aber die Medaille hab ich mir geholt!

Was fasziniert Dich an längeren Laufstrecken? Immerhin hast Du schon sieben Marathons und einen Supermarathon auf der Habenseite.
Du hast ja wirklich gut recherchiert für dieses Interview! Wie oben schon erwähnt, ist es die Länge der Strecke, die für mich die Herausforderung beim Laufen ausmacht. Dabei ist die Marathon-Distanz auch heute immer noch eine magische Grenze, die ich versuche, einmal pro Jahr zu überschreiten. Der Supermarathon letztes Jahr war ein erster Blick über den Tellerrand hinaus: Was geht da noch? Wie weit kann ich wirklich laufen? Ich denke, diese “Experimente” werde ich in Zukunft wiederholen.

Eddy in New York2011 bist Du beim legendären New York Marathon an den Start gegangen. Was war für Dich das Beeindruckendste am gesamten New York Marathon?
Am meisten haben mich die Zuschauer in New York begeistert! Die Menschen am Straßenrand feiern JEDEN Läufer. Sie warten also nicht nur auf den Ehemann, die Freundin, den Kollegen… sondern sie feuern JEDEN an, vom erstern bis zum letzten Läufer. Das ist eine absolut schöne Erfahrung! Das habe ich bis jetzt nur in New York erlebt. Und auch der Tag nach dem Marathon ist anders als hierzulande: Man trägt stolz die Medaille über der “ZivilKleidung” und wird von allen Seiten unentwegt beglückwünscht, wenn man durch die Stadt geht! Schultern werden geklopft, Hände geschüttelt und immer wieder hört man “You did it, man! Good job!” Man stelle sich zum Vergleich mal die Reaktionen vor, wenn man in Berlin oder Hamburg Montags mit Medaille zur Arbeit geht…

Eddy mit BierVerlosungen und Gewinnspiele gibt es im Internet sehr viele, und gerade über Social Media kann es schnell nervig werden, wenn es immer wieder Aufforderungen gibt in der Art: Stimmt bitte für mich ab! Oder: Ich will in XY starten, gebt mir Eure Stimme! Was hast Du anders gemacht als andere? Welchen Tipp würdest Du aus heutiger Sicht den Leuten geben, die sich an solchen Wettbewerben beteiligen wollen, um mal zu gewinnen.
Oh, Du weißt also, dass ich den Trip nach New York bei einer Aktion bei Facebook “gewonnen” habe? Ich sag ja: hervorragend recherchiert! Also, ich hab das “gewonnen” bewusst in Anführungszeichen gesetzt. Denn ich bin der Ansicht, ich habe das Ding nicht gewonnen, sondern verdient. Ich habe eben nicht einfach um Stimmen für mich gebettelt, das ist in der Tat nur nervig und bewirkt eher das Gegenteil, sondern ich habe mir überlegt, was ich tun kann, um mir Stimmen zu verdienen. Ich habe versucht, anders zu sein, als die anderen, um aufzufallen. Dazu zählten zum Beispiel zahlreiche kurze Videofilmchen, die amüsieren sollten. Und ich habe versucht, Mehrwerte zu schaffen. So habe ich zum Beispiel laufend Grafiken mit Hochrechnungen erstellt oder ein Filmchen mit einer “Voting Anleitung” ins Netz gestellt. Solche Aktionen wurden honoriert. Und das ist gleichzeitig meine Empfehlung für alle anderen, die sich an Gewinnspielen beteiligen wollen: Bettelt nicht um Stimmen, sondern überlegt Euch, warum Ihr es wert seid, eine Stimme zu bekommen. Bietet den Menschen einen Mehrwert! Lustig, interessant, anders.

Viele kenne Dich über Deinen Laufblog. Wie bist Du zum Bloggen gekommen, und was reizt Dich daran, im eigenen Laufblog zu schreiben?
Ich habe irgendwann einfach mal angefangen, meine Lauferlebnisse niederzuschreiben. Damals war die Absicht, für mich selbst ein Tagebuch zu haben, in dem ich später immer mal wieder nachschlagen kann, wann ich wo gelaufen bin, und was ich dort erlebt habe. Als dann irgendwann die ersten Leser meine Beiträge kommentierten, hat sich mein Anspruch an die Inhalte gesteigert. Wenn andere Menschen mitlesen, dann sollen die sich bei mir nicht langweilen. So hat sich mit der Zeit mein Blog verändert. Er ist nun kein Tagebuch mehr. Ich dokumentiere mein Training längst nicht mehr mittels Apps und auf einschlägigen Plattformen, sondern ich versuche, interessante Inhalte aus dem Bereich der Laufszene zu finden und darzustellen. Der Reiz liegt in der Interaktion mit den Lesern. Ich freue mich total über jeden einzelnen Kommentar, den ich bekomme. Dafür bin ich sehr dankbar. Immer wieder bekomme ich gute Tipps, interessante Denkanstöße oder einfach lustige Statements. Das ist eine große Motivation für mich. Und natürlich wird auch jeder Kommentar beantwortet (im Gegensatz zu früher).

Wie findest Du die deutsche Laufblogszene? Was könnte besser sein? Was findest Du richtig gut?
Ich habe in meinem Feedreader inzwischen mehr als 80 Laufblogs eingetragen. Und ich gebe zu, dass ich in weniger als der Hälfte regelmäßig mitlese. Aber das liegt daran, dass ich nicht der “typische Läufer” bin. Ich finde es eben nicht so spannend, von immer neuen Bestzeiten zu lesen, vom letzten Training, vom vorletzten und vom nächsten. Diese Blogs haben aber sicherlich andere (gleichgesinnte) Leser. Was ich sagen will: Ich finde es gut, dass es so viele Blogs gibt, denn dadurch gibt es für jeden Topf auch einen Deckel. Der leistungsorientierte Läufer findet ebenso seine Leser wie der Hobbyläufer oder der Onlinestatistiker.

Du hattest im Herbst 2012 mal ein ganz interessanten Artikel zum Thema Blogger und Werbung geschrieben. Es gibt tatsächlich Menschen, die mit der Thematik ihre Probleme haben. Woher kommt Deiner Meinung nach diese Ablehnung und Skepsis? Ich finde, in anderen Ländern geht man damit viel lockerer um.
Ich glaube, es ist unsere Mentalität. Platt gesagt habe ich das Gefühl, erst mal wird pauschal gemeckert, und darüber hinaus wird außerdem niemandem etwas gegönnt. Das ist in anderen Ländern in der Tat anders. Das Thema wäre einen eigenen Beitrag wert. Darum belasse ich es mal bei dieser kurzen Aussage.

Eddy mit KameraDu scheinst ja ein großer Freund neuer Herausforderungen zu sein. Nun willst Du einen Marathonläufer auf dem Rad mit der Kamera begleiten und einen kleinen Film darüber machen. Erzähl uns doch ein bisschen über das Projekt! Was erwartest Du, und was könnte die größte Herausforderung werden?
Ich will nicht nur einen Marathonläufer mit dem Rad begleiten, sondern ich will den Läufer begleiten, der den Marathon GEWINNEN will. Das ist ja noch mal ein großer Unterschied. Denn für mich bedeutet das, ich werde im Schnitt mit 17 km/h fahren müssen. Einhändig und mit dem Blick nicht auf die Straße, sondern auf den Läufer gerichtet. Das wird insbesondere in den Kurven schwierig, wo der Läufer ja kaum langsamer werden muss. Die Idee kam nicht von mir, sondern vom Läufer. Er wünscht sich mal einen kleinen Film von/über sich selbst und hat gesehen, dass ich in der letzten Zeit bei diversen Events mit meiner GoPro am Start war. Anscheinend haben ihm meine kurzen Filmchen gefallen, und so haben wir uns vor einigen Wochen verabredet, um dieses Projekt zu machen. Im Oktober beim Bremen Marathon ist dann die Stunde der Wahrheit für uns beide!

Wo sollte man als Läufer unbedingt in Bremen und Umgebung mal gelaufen sein? Was ist so besonders an Deinen Laufstrecken?
In Bremen und umzu (wie man hier sagt) gibt es wunderschöne Strecken: viel Wasser, Wälder, Überseestadt, Stadtpark, Botanischer Garten, Häfen… Ich will hier gar nicht einzelne Besonderheiten beschreiben, sondern stattdessen einfach eine Einladung wiederholen, die ich auch in meinem Blog schon mal ausgesprochen habe: Wenn jemand mal in Bremen zu Besuch ist, lade ich sie/ihn gern zu einem gemeinsamen Lauf ein. Alles weitere unter: www.eduard-andrae.de/couch-running-eine-idee/

Vielen Dank für Deine Geduld und die Beantwortung der einzelnen Fragen. Wo wird derLäufer Eddy in 10 Jahren stehen?
Vielen Dank für das Interview! Wenn jemand mir sagen könnte, wo ich in 10 Jahren stehe, dann könnte er ein Vermögen damit verdienen. Aber leider geht das nicht. Oder Gott sei Dank. Wir wissen es nicht. Jedenfalls wünsche ich mir, dass ich auch in 10 Jahren noch gesund bin, um zu laufen. So lange und so weit ich will…


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich muss gestehen – obwohl ich den ein oder anderen Läuferblog lese, kannte ich diesen noch nicht. Aber dadurch habe ich mich gleich doppelt gefreut – einerseits ein sehr interessantes Interview zum Lesen und einen neuen spannenden Blog im Reader 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Hallo Ariana,
      ich freue mich das Dir das Interview gefallen hat. Man kann auch nicht jeden Blog kennen. Sinn und Zwecks der Interviewserie ist es natürlich den Lesern andere Blogs, Blogger und Läufer vorzustellen. Und es scheint ja zu klappen 🙂 Ich denke ein Besuch auf Eddys-Blog lohnt sich bestimmt.

      Gruß Heiko

    • Hallo Andreas,
      bin mal gespannt was aus dieser Idee wird. Denn Ideen sind ja immer die eine Seite und die Umsetzung ist wieder was ganz anderes. Merke ich ja auch immer wieder bei eigenen Sachen die ich hier auf Laufen total veröffentliche….

  2. Wieder ein tolles Interview, dass richtig Spaß gemacht hat, es zu lesen. Ich gebe zu, dass ich zu selten bei Eddy vorbeischaue, wobei ich seine Beitrage auch immer gern lese. So habe ich auf einem mal ziemlich interessante Dinge erfahren. Das mit der Kamera ist ja ein Ding. Ich wäre vermutlich wirklich zu Fall gekommen…

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