Alter schützt vor Dummheit nicht …

Dummheit

Ein gestriges Erlebnis hat mich (wieder) sehr nachdenklich gestimmt, und ich bin entsetzt, wohin mittlerweile unsere gesellschaftliche Reise geht. Irgendwie fühlt sich alles wie ein großes Geschwür an welches kurz vor der Explosion steht. Scheinbar denkt jeder nur noch an sich: Egoismus, Aggression und Gewalt wohin das Auge blickt. Ich habe vor über 20 Jahren mal in einem Song meiner damaligen Punkband folgenden Textabschnitt gesungen: „Friedliches Leben kann so einfach sein, geht dies in menschliche Köpfe nicht rein?“ Genau diese Textzeile ging mir gestern bei der Zugfahrt von Hamburg nach Berlin durch den Kopf. Ich habe darüber nachgedacht, wenngleich auch nicht lange, ob dieser Beitrag überhaupt auf Laufen total erscheinen sollte. Letztendlich habe ich mich für die Veröffentlichung entschieden, weil mir das Thema wichtig ist und mich schon eine ganze Weile begleitet.

Ich fuhr gestern mit der Berliner S-Bahn; neben mir saß ein junger Mann, der eigensinnig seine Musik so laut hörte, dass sie ihm förmlich in den Ohren dröhnte. Das klangliche „Meisterwerk“ erzählte von der Minderwertigkeit einer Frau, unterstützt von der Stimme des geneigten Hörers, damit es auch ja die ganze Bahn mithören kann. Es wird immer über die Jugend geschimpft, wie schlecht diese sei und was alles für Mist geschieht, und ehrlich ich verstehe auch nicht, was da teilweise passiert. Es ist schon vieles recht grob und aggressiv, und dieses Erlebnis stützt natürlich die herrschenden Vorurteile. Dieses menschenverachtende und in diesem Fall frauenfeindliche Verhalten hat mich so angeekelt und aufgebracht, dass ich diesem Stück Sch…. gern mal ein ein wenig Hirn in seinen dämlichen Schädel eingepflanzt hätte. Scheint ja noch viel Platz da oben zu sein. Da wurde über Vergewaltigung, brutalen Sex und den Abfall Frau – textlich Schrott der extremsten Sorte – abgelassen. Ich war zufrieden, das nur wenige Sekunden ertragen zu müssen, aber dennoch bleibt mir sowas im Gedächtnis. Wer bitte produziert sowas? Wird unsere Jugend tatsächlich mit so einem Mist groß? Es muss ja nicht über Blümchen gesungen werden, aber warum ist es „In“ über anderen Menschen stehen zu wollen und diese zu erniedrigen? Der Kotzfaktor ist da bei mir schon sehr hoch. Zur Rettung der Jugend kann ich sagen, dass ich auf meiner Reise auch andere Jugendliche erlebt habe. Man kam ins Gespräch – sehr höflich – und es ergaben sich wirkliche nette kleine Gedankenaustausche, die ich an solchen Reisen immer wieder mag.

Dass nicht ausschließlich die Jugend die Dummheit für sich gepachtet hat, konnte ich ebenfalls gestern in Hamburg auf Hauptbahnhof erleben. Der ICE war bereits eingefahren, und es bildeten sich vor dem Zug lange Schlangen von mitreisewilligen Bürgern. Alles kein Problem, aber es braucht seine Zeit, bis jeder seinen Platz gefunden hat. Erwartungsgemäß wurde gedrängelt und geschubst, was das Zeug hält. Jeder wollte zuerst rein, um sein mehr oder weniger hervorstechendes Hinterteil zu parken. Vor allem die ältere Generation entwickelt in solchen Situationen oft erstaunliche Kräfte, um einen Platz an der Sonne zu ergattern. „Der Zug fährt nicht ohne uns“ von einem Mitreisenden wurde natürlich überhört. Eltern mit Kleinkindern und viel Gepäck hatten zu kämpfen, um alles unter Kontrolle zu halten, denn ganz schnell ist ein Kleinkind zwischen Bahnsteig und Zug verschwunden. Mitreisenden ohne Kinder ist das oft schnurzegal, jeder ist sich selbst der Nächste. In meiner Reihe wurde beispielsweise ein Vater mit Kinderwagen ignoriert, der versuchte, in den Zug zu steigen. Viele drängelten sich vor, keiner bot Hilfe an. Ich fragte ihn schließlich, wo ich anpacken soll, und dann wollten wir beide in den Zug einsteigen. Nicht zu glauben, aber trotzdem wahr, drängelten sich ein älterer, aber deshalb noch lange nicht weiserer, Herr nebst Gattin vor. Das „Warten Sie bitte, wir wollen erstmal den Kinderwagen reintragen“ von meiner Seite wurde überhört mit dem Spruch „Wir haben Plätze reserviert und wollen in den Zug.“ Schon wurde der Wagen beiseite geschoben und darüber hinaus alles andere, was im Wege stand. Eine junge Frau, die dieses Schauspiel aus dem Zug beobachtet hatte, mahnte daraufhin dieses  Pärchen in einer wirklich netten Form. Dies meine ich jetzt auch nicht ironisch und trotzdem hat es gereicht, dass der Herr handgreiflich geworden ist.

Den Konflikt Alt und Jung gab es auch schon immer, und jede Generation sagt über sich, dass sie früher nicht so schlimm gewesen sei, dass sie noch Respekt und Achtung gehabt habe. Ob und wie es damit wirklich aussah, kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke rückblickend, dass meine Generation zu früherer Zeit noch mehr Achtung vor Erwachsenen, vor dem Alter usw. hatte. Ich gestehe auch jeder Generation das „Anders-machen“ zu, aber insgesamt bin ich von einem Wertewandel in unserer Gesellschaft überzeugt. ein Wertewandel, der sich aber durch alle Generationen zieht. Weder das Alter noch die Jugend kann erwarten, dass man mit ihnen freundlich und zuvorkommend umgeht, obwohl sie selbst vor Bösartigkeit strotzen. Bitte, da kann ich mich sowohl in Alt als auch in Jung hineinversetzen, wenn man sich dies nicht gefallen lässt. Respekt und Achtung muss für alle Menschen gelten, egal welchen Alters.

Diese zwei Erlebnisse waren für mich schon sehr einschneidend und zeigen mir einmal mehr, wie mich dieser gesellschaftlich Umgang miteinander ankotzt. Leider weiß ich auch nicht, was man machen kann, um es zu verbessern. Natürlich immer als gutes Beispiel voran, aber irgendwann habe ich die Schnauze voll. Wie steht Ihr zu dem Thema Wertewandel und Gesellschaft?


Mit individueller Online-Trainingsbetreuung zum Ziel

Online-Trainingsplanung

Diese Ziele können wir gemeinsam angehen:

  • Gewichtsreduzierung/Abnehmen
  • Verbesserung der körperlichen Fitness
  • Besseres Körpergefühl gewinnen und das eigene Wohlbefinden stärken
  • eigene Ausdauerfähigkeit erhöhen
  • Laufziele erreichen, sei es eine bestimmte Laufstrecke erstmals erfolgreich zu finishen oder eine neue Bestzeit zu laufen

Informiere Dich jetzt zur Online-Trainingsbetreuung von Laufen total >>>>>>>>>>


Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Heiko, so schwer es manchmal fällt und so gerne man diesen Idioten eine klatschen würde. Der einzige Weg ist -da hat der -timekiller- völlig Recht- Vorbild zu sein und seine eigene Würde zu wahren. Das wird vielleicht nicht im ersten Moment so wahrgenommen. Aber es lohnt sich „on the long run“. Es lohnt sich jedenfalls nicht, Idioten zu disziplinieren, weil die nun mal nicht nur beim Zugboarding Idioten sind und daran wird man rein gar nichts ändern. Als ich neulich abends mal wieder beim Gassigehen mit der Mülltüte unterwegs war, fragte mich eine ältere Dame entsetzt, wieso ich denn Müll aufsammle. Allein die Frage sagt schon vieles. Run on!

  2. Ich gebe den „Vorrednern“ Heimo und Henrik komplett recht: man will eigentlich drauf hauen, aber man muss stattdessen die Faust in der Tasche machen und ein gutes Beispiel sein. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt… :-/

  3. Hallo Heiko,
    Dein Beitrag kann wirklich nachdenklich stimmen. Ähnliches beobachte ich leider auch immer wieder, sowohl bei Älteren wie bei Jüngeren. Umgekehrt bin ich aber manchmal auch positiv überrascht von Handlungen (Hilfe, Höflichkeiten, etc.), die ich anderen so vielleicht nicht zugetraut hätte. Ich denke, man kann nie alle über einen Kamm scheren. Sollte vor der eigenen Tür kehren und sich so verhalten, wie man es von anderen erwartet, manch eigenes Vorurteil vielleicht auch hinterfragen. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann sage ich auch was… ob es hilft?
    Liebe Grüße
    Elke

Schreibe einen Kommentar