Dieses Verhalten einiger Läufer kotzt mich an

Nun sitze ich hier, schreibe meinen Artikel und koche vor Wut – Wut über die Dummheit einiger Menschen. Traurig, dass es auch in unserer Laufszene so etwas gibt und enttäuscht über die Verantwortungslosigkeit und den Eigensinn meiner Laufkollegen. Was ist geschehen? Als Laufcoach betreue ich Sportlerinnen und Sportler auf dem Weg zu ihrem Laufziel. Und natürlich schaue ich mir nach jedem Wochenende die verschiedenen Ergebnislisten der Läufe an, an denen meine Schützlinge teilnahmen. Mit großem Interesse sah ich mir die Ergebnisse des Laufes „Rund um die Schafbergschanze“ in Großthiemig an, denn eine Läuferin von mir war dort auf der 5,3 km Strecke am Start. Das Ergebnis holte mich dann schnell auf den Boden der Realität zurück, sie wurde Vorletzte.

Was war geschehen? Zwar ist die Strecke in Großthiemig etwas kupiert, aber die gelaufene Zeit passt einfach nicht zum Leistungsniveau der Läuferin. Sie hätte mindestens 12 Minuten schneller sein müssen. Mein erster Gedanke war, dass irgendwas schief lief und sie sich komplett übernommen hat, was aber eigentlich nicht ihre Art ist, denn es handelt sich um eine vorsichtige Läuferin. Zweite Gedanke war: verlaufen. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Sportfreunde aus Großthiemig immer einen kleinen und feinen Lauf auf die Beine stellen. Also was war nur geschehen?

Dies ist nicht nur unsportlich, sondern in meinen Augen strafbar

Eines vorweg, meine geäußerte Kritik richtet sich ganz klar nicht gegen den Veranstalter und nicht gegen die Helfer der Laufveranstaltung in Großthiemig. Nun aber zur Aufklärung. Heute am Abend traf ich die Läuferin persönlich und fragte nach den Gründen der Platzierung. Sie erzählte, dass sie ca. 1,5 Kilometer vor dem Ziel auf der 5,3 km Strecke mitten auf dem Weg etwas liegen sah, an dem die Läufer vor ihr einfach vorbeiliefen (nach Aussage meiner Sportlerin, mehr als 4). Keiner kümmerte sich um dieses Etwas. Bei näherem Heranlaufen sah sie, das es sich um eine junge Sportlerin handelte, die auf dem Boden lag, und der es wirklich schlecht ging. Also machte Yvonne genau das Richtige und half, was wirklich jeder Mensch machen sollte und auch eine Pflicht sein sollte. Zur Zeit der Hilfeleistung liefen weitere Sportler vorbei, ohne ihre Unterstützung anzubieten. Jeder war nur für sich und lief einfach vorbei. Leute, als ich das gehört habe, stieg in mir eine große Wut hoch. Was bitte spielt sich in diesen Hirnen ab? Platzierungen? Punkte? Mein Trainee lief im guten Mittelfeld mit viel Spaß und einer guten Zeit. Zu keiner Zeit wäre sie auf Kosten der Gesundheit einer anderen Sportlerin weitergelaufen, nur um Punkte in der Laufserie zu ergattern.

Aber eigentlich muss ich mich überhaupt nicht wundern. Seit einiger Zeit schon nehme ich wahr, dass die Gesellschaft mehr und mehr ich-zentrierter denkt, und viele sich selbst vor jeden anderen stellen. Bevor man anderen Menschen hilft, wird das ach so geile Smartphone gezückt. Fotos werden gemacht, um diese so schnell wie möglich und vor allem als erster in den Sozialen Medien zu veröffentlichen. Dies ist in diesem Fall nicht geschehen, aber es gab eben auch kaum Hilfe. Nach kurzer Zeit kamen dann vernünftigerweise noch eine andere Läuferin und ein Läufer dazu, welche halfen. Eine Sportlerin lief zum Verpflegungspunkt zurück, wo ein Helfer mit einem Auto bereit war und sofort zur Hilfe eilte. Genau, wie es sich gehört. Aber es kann doch nicht sein, dass nur drei Sportler helfen, und anderen die Gesundheit und schlimmstenfalls das Leben weniger wert ist als eigene Punkte und Zeiten. Leute, ich bin tief enttäuscht über dieses Verhalten. Und es zeigt mir mal wieder, dass die Laufszene auch nur Teil unserer Gesellschaft ist. Für diese Kleingeister kann ich mich nur schämen.

Sportlich gesehen war es für die drei Helfer eine Katastrophe, denn gute Punkte und Zeiten sind dahin. Dafür haben sie sich aber wirklich menschlich gezeigt und bewiesen, dass das gesundheitliche Wohl von Menschen wichtiger ist als Bestzeiten. Danke Yvonne und Dank an die beiden anderen Sportler, deren Namen ich leider nicht weiß. Ihr habt das einzig Richtige getan, auch wenn Ihr jetzt in der Ergebnisliste ganz hinten auftaucht. In der Menschlichkeit steht ihr ganz vorn. Und mal weg vom Sport, rechtlich gesehen haben sich alle die, die an der Läuferin ohne Hilfeangebot vorbeigelaufen sind, der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht. Ich frage mich, ob alle jene im eigenen Hilfefall von anderen auch gern ignoriert worden wären … Damit möchte ich diesen Beitrag abschließen, ich bin wütend und enttäuscht.

Diesen Artikel habe ich nach einem intensiven Gespräch mit Yvonne geschrieben.


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

27 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. so etwas hört man leider immer öfter. Ich verstehe es auch nicht. Bin ja aber sowieso jemand der meist entspannt läuft und das Laufen nicht so verbissen sieht.
    Deine Yvonne wird den nächsten Lauf rocken und hat auch noch jemand anderem geholfen. Ich denke sie geht als Gewinner hervor und nicht diejenigen die erster geworden sind.

    • Passiert ja nicht nur im Laufsport. Was passiert letztendlich jedes Wochenende auf den Fußballplätzen unseres Landes? Es werden den Gegenspielern Verletzungen gewünscht. Wo sind wir bitte hingekommen in unserer Gesellschaft.

  2. Echt krass. Ich habe so etwas extremes noch nicht erleben müssen. Eigentlich kommt es mit auch unglaublich vor. Allerdings saß beim Marathon in Dresden 2013 auch ein Läufer am Rand, der ziemlich ungut aussah. Gut einzusehen, direkt an der Strecke bei einer langen Geraden. Da hat vor mir auch keiner mal angehalten und nachgefragt. Und ich laufe nun wahrlich nicht in der Gruppe, wo der Lebensunterhalt von den paar Sekunden abhängt!

    Allerdings sah dieser Läufer zugegebenermaßen auch nicht so aus, als käme er ohne Hilfe nicht klar.

    Fände es auch erschreckend, wenn so etwas oft vorkäme.

    • Ich habe mir angewöhnt immer nachzufragen und dann kann man ja beurteilen ob Hilfe notwendig ist oder nicht. Solange die Leute selbst noch reagieren können ist es gut, aber es gibt auch Fälle da geht überhaupt nichts mehr. Es wäre einfach wichtig die Sportler und auch Helfer an der Strecke für das Thema noch mehr zu sensibilisieren.

  3. Es ist gut Heiko, dass du dieses Thema aufgreifts. Hatte jetzt am Wochenende bei den Stadtmeisterschaften ebenfalls so einen Fall, dass ich plötzlich kurz nach dem Start eine gute Läuferin am Rand hocken sah und keiner nachfragte. Habe dann auch gleich gestoppt und nachgefragt. Glück im Unglück – sie war über andere Füße gestolpert und auf die Knie gefallen. (Konnte den Schmerz gut nachvollziehen, nachdem ich Mitte der Woche selbst gestürzt war.) Der Lauf war mir da grad egal, hätte sie zur Not auch wieder zurück gebracht. Aber nach kurzer Zeit ging es wieder und wir liefen beide unseren Lauf.
    Daumen Hoch für Yvonne und die anderen beiden Helfer. Schließlich wünscht sich doch jeder, dass einem im Notfall geholfen wird.

  4. Krasse Story, aber mich wundert das ehrlich gesagt nicht. Wie oft passiert so etwas? Nicht nur beim Laufen. Ich sage nur: Autounfall.
    Ich denke (und das wurde auch schon psychologisch erforscht), dass die meisten Leute in dem Moment, wo sie sich in so einer Ausnahmesituation befinden, zu erst geschockt (denn man rechnet ja nicht damit) und dann überfordert sind. Wenn die Betroffenen die Situation später noch einmal reflektieren, dann wundern sie sich mit Sicherheit selbst über ihr Verhalten. Viele haben auch Angst, dass sie was falsch machen und machen dann lieber gar nichts. Das ist natürlich nicht richtig und ich verstehe deine Aufregung auch. Dein Schützling hat alles richtig gemacht, weil Sie in diesem Moment einfach einen klaren Kopf bewahrt hat.

    Und: Der Mensch ist sowieso egoistisch. Man sollte einfach selbst schauen, dass man genau SO nicht wird. Ich drücke Yvonne auf jeden Fall die Daumen und sie schafft sicher eine gute Zeit. Denn: Jeden Tag eine gute Tat :-)))

    In diesem Sinne: Live. Love. Run 🙂

  5. Ich bin Feuerwehrmann und kenne dieses Verhalten nur zu gut. Meine Theorie ist, dass unsere Gesellschaft heute so durchorganisiert ist, dass es eigentlich für alles einen Verantwortlichen gibt. So fühlen sich viele für etwas, was ihnen nicht ausdrücklich übertragen wurde, „nicht zuständig“. Schließlich gab es bei dem Lauf bestimmt auch einen Sanitätsdienst. Der würde sich schon kümmern… Das Nachsehen hat der, der plötzlich – „abweichend vom Programmablauf“ – Hilfe braucht. Traurig, aber es kommt immer häufiger vor.

    • Deine Theorie könnte passen. Aber aus menschlicher Sicht kann ich es trotzdem nicht nachvollziehen. Aber immer weniger Menschen sind wirklich bereit im Leben auch Verantwortung zu übernehmen. Denn als Helfer übernimmt man in diesem Fall Verantwortung.

  6. Das sagt man wohl nichts zu. Wenn jemand Hilfe braucht bekommt er die und fertig.
    Wenn ich sehe das schon jemand da ist um zu helfen kann ich weiter laufen/gehen/fahren weil mein Beitrag nicht mehr grbraucht wird (ich meine Gaffen ist nicht notwendig).
    Wirklich gut finde ich, das Yvonne das Rennen dann doch noch zu Ende gelaufen ist, wohlwissend das es für ihre Bestzeitenliste nicht mehr taugt. Dafür bleibt es in den Memoiren erhalten. Ein neuer Lauf kommt, das schlechte Gewissen jemanden in Not nicht geholfen zu haben bliebe…

    • Dies ist leider in der Realität nicht so. Ich habe auch schon auf der Straße Dinge erlebt wo Menschen nicht geholfen wurde und ich auch als Helfer ziemlich alleine war.

  7. Du hast mit Deinem Beitrag hier völlig recht – es sollte für jeden selbstverständlich sein in so einer Situation stehen zu bleiben, nach zu fragen und zu helfen und jeder sollte sich ein Beispiel daran nehmen!

    Aber ich bin ein wenig erstaunt, dass Du kurz davor bist dieses Verhalten auch wieder in Schutz zu nehmen:
    Zitat: „… Sportlich gesehen war es für die drei Helfer eine Katastrophe, denn gute Punkte und Zeiten sind dahin … “
    Was bitte ist für die Helfer hier eine Katastrophe? Auch sportlich gesehen ist es keine Katastrophe. Es handelte sich um einen kleinen Lauf, wie er jedes Wochenende an vielen Orten (vermutlich auch in Eurer Gegend) stattfindet. Du wertest genau dieses „perverse“ Streben nach höher, schneller, weiter ohne Rücksicht auf Verluste (die eigene Gesundheit oder die Anderer) mit diesem Satz in einer für mich unverständlichen Weise unnötig auf.

    Sportlich und menschlich war dieser Lauf für die Helfer etwas Besonderes und ganz gewiss keine Katastrophe!

    • Hallo Jana,
      Du hast Recht, ich habe da wohl in der Wortwahl nicht ganz aufgepasst. Und ich nehme dieses Verhalten überhaupt nicht in Schutz und kann es nicht nachvollziehen. Die Gewinner des Tages sind in meinen Augen die Helfer.

      • Jetzt habe ich doch länger nicht hier geschaut … 🙁

        Ich weiß natürlich wie Du das gemeint hast, hättest ja sonst nicht diesen Artikel geschrieben 🙂 … Mir war es nur wichtig zu zeigen wie sowas auch falsch verstanden werden kann.

        Liebe Grüße

  8. Also in der Schweiz ist das unterlassene Hilfestellung und definitiv strafbar… Nachvollziehbar wäre so eine Handlung nur bei den ersten Läufern eines wirklich wichtig und entscheidenden Rennens (Olympia oder so…) bei sämtlichen anderen Läufen sind die Zeiten doch total egal, wenn man diese der Hilfe an einem Menschen gegenüberstellt… Aber ich glaube I. Behring trifft es auf den Punkt – wenn man die Verantwortung niemandem konkret überträgt, fühlt sich auch niemand zuständig.
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Wäre es wirklich nachvollziehbar? Ich werde Olympiasieger und hinter mir ist ein Sportler verreckt weil ich nicht geholfen habe??????? Die Sache mit der Verantwortung ist wirklich ein interessanter Aspekt. Kann es sein das viele Menschen gesteuert werden wollen? Nicht selbst denken….

  9. Ich konnte kaum glauben, was ich hier las. Das ist zum einen höchst unsportlich und außerdem nennt man das unterlassene Hilfeleistung!
    Wo kommen wir denn da hin, wenn wir schon im Breitensport so benehmen? Ist es denn wirklich so wichtig, einen guten Rang zu haben, dass man dafür die Gesundheit anderer aufs Spiel setzt oder Hilfsbedürftige einfach ignoriert.

    Mich persönlich widert so ein Verhalten auch an. Toller, richtiger und auch wichtiger Artikel!

    • Als ich die Schilderungen gehört habe stieg echt die Wut in mir auf. Aber es geht nur noch um Leistung. Aber glücklicherweise gibt es auch positive Beispiele.

  10. Ach du Sch***e! So etwas darf nicht passieren! Aber was in den Köpfen mancher Menschen vorgeht versteht wohl eh niemand. Wirklich traurig das ganze!

    • Ist passiert und wir können nur hoffen das solche Dinge nicht oft passieren und es viele Menschen gibt die nicht nur an sich denken.

      Gruß Heiko

  11. Hi,

    guter Artikel. Um auch etwas Licht ins Dunkel bzw. etwas Positives zu vermitteln, habe ich bei meinen Läufen jede Menge Läufer erlebt, die sich einander gekümmert haben. Die schon fragten, ob alles okay ist, wenn jemand nur schwer atmet, Wasserflaschen geteilt wurden und so weiter.

    Ich schreib dies, um etwas positives beizutragen und auf die „Guten“ zu zeigen. Alles andere verurteile ich genauso, wie du!

    Glück auf
    Sascha

    • Hallo Sascha,

      vielen Dank für Deinen positiven Beitrag und natürlich gibt es sehr viele positive Dinge zu berichten. Aber manchmal muss eben auch die nicht so gute Seite angesprochen werden.

      Gruß Heiko

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