Motivation der etwas anderen Art oder besser: Dummheit stirbt nicht aus

Motivation der anderen Art
Wir Läufer werden oft immer noch als Wesen von einem anderen Stern angeschaut, gerade in Kleinstädten fällt mir das immer noch auf. Seltsame Blicke verfolgen uns und manchmal auch qualifizierte bis oft auch unqualifizierte Sprüche. Schnell gilt es abzuwägen, ruhig sein, und es einfach hinnehmen oder kontern. In den meisten Fällen ist es einfach besser, die Klappe zu halten, denn mit Dummheit braucht nicht diskutiert werden. In meiner Zeit als Läufer durfte ich mir schon so manch „tollen“ Spruch anhören. Deshalb werde ich heute mal einige davon präsentieren.

Eines noch vorweg: Nicht jeder, der einen Spruch auf den Lippen hat, will uns Böses. Aber ich finde es trotzdem nervig. Vielleicht soll es ja auch motivieren, manchmal, wirklich aber nur sehr selten, ist es im Training gut für die Motivation. In den meisten Fällen möchte ich einfach nur meine Ruhe. Ich schreie doch auch keinem Spaziergänger hinterher: Ich habe Leute beim Gehen schon mal Einschlafen sehen.  Oder: Ihr Hund ist ja fast genauso fett wie sie!

Der Klassiker: Schneller, schneller

Ich kann es bald nicht mehr hören, ob Jung oder Alt, überall dieser Spruch schallt. Mann, der Satz reimt sich sogar. Aber ehrlich, dieses „schneller, schneller“ steht in der Nervigkeitsskala ganz oben. Kleine Kinder, die kaum sprechen können, sehen sich gezwungen, mir ein „schneller, schneller“ auf den Weg zu geben. Kinder, Euch nehme ich es nicht übel, noch nicht, denn Eure Vorbilder gehen ja als bestes Beispiel voran. Dem Proll der Marke „Bier formte diesen wunderschönen Körper“, dem nehme ich es übel. Denn er schafft es kaum mit seinem Rad so schnell zu fahren, dass er nicht umfällt, und mit Ach und Krach erreicht er die Kneipe. Aber die große Lippe riskieren. Erst einmal selbst aus dem Allerwertesten kommen, und dann werden wir weiter sehen. Auch jungen Damen mit unvorteilhaft engen Hosen, dem herausquellendem Hüftspeck und dem etwas zu groß geratenen Hintern empfehle ich das Schweigen. Schaut auf Euch und denkt mal darüber nach, ob es nicht an der Zeit wäre, was für den eigenen Körper zu tun. Aber keiner von denen wird wohl meine Zeilen hier lesen, schade eigentlich.

Vor dem Krieg

Letztens fühle ich mich zurückversetzt in die Zeiten, von denen Opa immer so schwärmte und Oma klagte. Die Zeit vor und während des zweiten Weltkrieges. Neulich überholte ich eine ältere Frau, sie auf dem Rad und ich im Laufschritt. Die Dame war geschätzte 200 Jahre alt und das Fahrrad sicherlich auch. Strahlend weiße Haare zierten ihren Kopf, und das Gesicht sah eher grimmig als einladend aus. Nachdem ich an ihr vorbei war, kam ein knurriges und bösartiges: Zack, Zack. Ich möchte jetzt an dieser Stelle lieber nicht wiedergeben, was mir da durch den Kopf ging. Deshalb zensiere ich meine Gedanken. Aber genau so stelle ich mir Autoritäten der damaligen Zeit vor. Zuckerbrot und Peitsche, aber ich glaube, auf das Zuckerbrot wurde verzichtet.

Saufen statt Laufen

Erst vor wenigen Tagen bin ich über diese Thematik im Blog vom Bernd gestolpert – Saufen statt Laufen. Gern gibt es diesen Spruch von Jugendlichen, die in der Gruppe bewaffnet mit einem Kasten Bier ihre Freizeit verbringen. Jung waren wir alle mal, und es bringt nichts, mit dem Zeigefinger vor der Jugend zu stehen. Sie müssen eigene Erfahrungen machen, egal, wie schmerzhaft sie sind. Ich weiß nur zu gut, was das Saufen anrichten kann, und wie lang der Weg ist, diesem Übel wieder zu entkommen. Deshalb sage ich ganz klar mit dem Verstand der heutigen Zeit: Lieber Laufen statt Saufen.

Schon einige Meter nach den Jugendlichen sehe ich oft auf meiner Trainingsstrecke „ältere“ Herren mit Bierflaschen. Optisch sind diese keine Augenweide. Das Alter täuscht in den meisten Fällen auch, denn viele von denen sind nicht viel älter als ich. Aber Alkohol und Zigaretten sind ein gutes Mittel, um den Körper schnell altern zu lassen. Jeden Tag, egal ob Wind, Regen oder Schnee, stehen sie an ihrer kleinen Bude und ziehen sich das Bier und den Schnaps rein. Meist lassen sie mich laufen und beachten mich nicht. Manchmal gibt es undefinierbare Töne, vor allem dann, wenn sie ihr Gleichgewichtssinn verlassen hat, oder einer ihrer Kumpel sich im Vollrausch auf dem Asphalt zur nächtlichen Ruhe am späten Vormittag bettet. Für mich sieht so der Sinn des Lebens jedenfalls nicht aus, und ich verzichte sehr gern auf das Saufen statt Laufen.

Das haben wir schon einmal schneller gesehen

Ich bin gerade an zwei Spaziergängern vorbei, mittlerweile hatte ich schon einiges über 30 Kilometer in den Beinen und war bester Laune. Da kommt ein: „Das haben wir schon mal schneller gesehen.“ Was jetzt kommt ist fast schon filmreif. Ich wurde langsamer, drehte mich um und fragte: „Muss ich Sie kennen?“ Damit haben beide absolut nicht gerechnet. Die Köpfe drohten von jetzt auf gleich zu platzen; ich habe noch nie so eine rote Gesichtsfarbe gesehen. Ich glaube, das war denen total peinlich. Ich bin mir sicher, die werden keinen Läufer mehr mit dummen Sprüchen belästigen.

Oft bleibe ich ruhig, manchmal eben auch nicht. Und diesem Fall fühlte ich mich als Sieger in ganzer Linie.

Es sind Leute beim Laufen schon einmal eingeschlafen

Für Begeisterung in Gruppen sorgt dieser Spruch. Aber sollen die ihren Spaß haben, und ich habe meine Ruhe. Was sie nicht wissen, das kann ja wirklich mal passieren. Ultras können sicherlich mehrere Lieder darüber singen, wenn auf einmal die Müdigkeit den Körper ergreift und mit sich zieht. Schon würde der Ausspruch: „Es sind Leute beim Laufen schon einmal eingeschlafen“ Sinn ergeben. Aber das muss ich ja den Lauffremden nicht erzählen. Selbst ist es mir auch schon gegangen, dass ich eher schlafend als wach unterwegs war. Die Beine bewegen sich fast wie von alleine.

Fazit
Damit möchte ich meine kleine Exkursion der dummen Sprüche beenden. Einige davon werdet Ihr sicherlich kennen und „lieben“ gelernt haben. Und sicherlich habt Ihr schon viel mehr gehört und erlebt. Gern könnt Ihr Eure Erfahrungen in den Kommentaren kundtun, ich bin gespannt.


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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 45 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook, Twitter und Google+.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Klingt jetzt blöd, aber ich habe solche Sprüche noch nie gehört und selbst wenn .. einfach drüber stehen? Hätte dich jetzt gar nicht so eingeschätzt, dass dich so etwas nerven könnte.

    Ich bin viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt (denken, träumen, kämpfen .. was halt gerade so ansteht), als dass ich mich mit so etwas beschäftigen könnte.

    Ganz abgesehen davon finde ich es explizit falsch von „saufen“ zu sprechen, nur weil man mit 5 Leuten einen Kasten Colabier dabei hat oder so. Das ist dann in etwa so ein blöder Spruch wie „schneller, schneller“ oder so.

    • Hallo Benni,
      einfach drüber stehen sage ich mir auch, nur manchmal geht es halt nicht. Denn nicht jeder Tag ist gleich, und auch ich habe mal einen schlechten Tag 🙂 Selten, es kann aber mal passieren. Diese Sprüche passieren auch nicht immer, aber ab und an ist es so. Gerade weil wir in einer Region mit vielen Touristen wohnen, ist hier vor allem im Sommer auch viel los.

      Ich wollte damit auch nicht jeden des Saufens bezichtigen. Aber es gibt schon Kandidaten, die sind fast täglich unterwegs, und da ist es auch nicht nur Colabier. Wobei dieses Zeug nicht harmlos geredet werden sollte. Alkohol ist Alkohol. Aber da spreche ich auch aus einem ganz anderen Background. Nur soviel, ich weiß zu gut, was das Zeug anrichten kann. Deshalb eventuell meine drastische Aussprache.

      • Hallo Heiko,
        hier ein Tipp für schlechte Tage, den ich von meinem anderen Training (bei dem man manchmal begafft wird wie ein Zootier) sehr nützlich finde und jetzt auch beim Laufen ausprobiert habe: Ohrstöpsel reinmachen, ohne dass am anderen Ende des Kabels was dranhängen würde.
        Also: Sichtbare Kopfhörer in die Ohren stöpseln und das Kabel außerhalb der Kleidung gut sichtbar bis in die Hosentasche (oder unters Trikot an den Hosenbund) führen. Natürlich kann man auch Handy, MP3-Player etc. dranmachen und wirklich Musik hören, aber das möchte ich beim Laufen ja nicht.
        Es fällt mir dann unheimlich leicht, grinsend zu trainieren und so zu tun, als könnte ich die Sprüche gar nicht hören. Oder ich grüße nach einem dummen Spruch eben freundlich „zurück“, da ich ja angeblich nur gesehen habe, dass der andere den Mund bewegte, und das konnte dann ja gar nichts anderes sein als ein freundlicher Gruß…
        Oder: „Wie bitte? – Moment, ich mach mal die Musik leiser…“- sehr umständliches Wühlen in der Hosentasche – und dann hat der Sprücheklopfer meist schon keine Geduld mehr, winkt ab und geht weiter…
        Meine Erfahrung als „Zootier“ besagt, dass auch wirklich weniger Sprüche kommen, weil viele Leute beim Anblick der Kopfhörer von ganz alleine davon ausgehen, dass ich sie nicht hören kann.
        Auf meiner Route gibt es glücklicherweise keine Alkohol-Trinker. Aber mal so als Idee in die Runde: Könnte man vielleicht einen „alkoholschwangeren“ Spruch mit einem Satz kontern, der das Wort „Schlangenlinien“ enthält?

  2. Ich muss gestehen, dass ich das wahrscheinlich gar nicht merken würde, wenn mir jemand etwas nach- oder zuruft. Aber meistens laufe ich eh zu Zeiten oder an Orten wo man höchstens andere Sportler trifft.

    • Ich muss ab und an an Gegenden vorbei, wo mehrere Leute unterwegs sind, und da ergeben sich teilweise solche Erlebnisse. Oft überhöre ich es, aber manchmal eben auch nicht. Wenn bei Dir alles ruhig ist, schön. Hoffentlich bleibt dies so 🙂

  3. Klasse … eigentlich wollte ich auch was schreiben wie Daniel oder Benni … und just heute lief ich an ner Renter Gruppe vorbei, die mir mit dem „das haben wir ja schon schneller gesehen“ kamen … dachte mir meinen Teil („vor 50 Jahren vielleicht …“) und lief weiter 8)

  4. Ach ja, was ich alles schon gehört und auch aufgeschrieben habe, meist perlt es an mir ab, ab und zu reitet mich der Teufel – und dann explodiere ich – aber selten, es ist wie im richtigen Leben, alles was anders ist, kann nicht so leicht toleriert werden – und nun sind wir nun mal anders ! 😉

    • Hallo Margitta,
      ich glaube ich habe die bösen Geister mit meinen Artikel gerufen 🙂

      Denn genau gestern hatte ich wieder so ein „tolles Erlebnis“ mit Jugendlichen – ich bin explodiert – meine Worte gebe ich mal lieber nicht weiter. Es ging in dieser Situation einfach nicht besser. Ansonsten gehöre ich gern zu den Anderen 🙂

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