Ein langes Wochenende beim Amsterdam Marathon 2013 – Teil 1

Der Amsterdam Marathon 2013

Am 20. Oktober 2013 fand der Amsterdam Marathon statt. In diesem Zusammenhang lud das japanische Unternehmen Mizuno einige Runbirds aus Europa zu einem verlängerten Wochenende in die niederländische Hauptstadt ein. Dabei ging es natürlich um die Präsentation der neuesten Laufschuhmodelle und Laufprodukte von Mizuno und das Engagement in Sachen Laufsport. Sportler, Händler und Verantwortliche von Mizuno traten in den Erfahrungsaustausch und liefen gemeinsam in Amsterdam. Die Krönung der gesamten Reise stellte der Marathon am Sonntag dar. Das Ziel für alle Läufer war das Olympia Stadion in Amsterdam, egal ob 8 Kilometer, Halbmarathon oder die Königsdistanz Marathon.

Von der kleinen beschaulichen deutschen Stadt Senftenberg sollte es in die große und pulsierende niederländische Hauptstadt Amsterdam gehen. Am Freitag, dem 18. Oktober 2013, war es soweit: Ein langes Wochenende mit Mizuno und anderen Läuferinnen und Läufern in Amsterdam lag vor mir. Reisen stellen manchmal ein Abenteuer dar, und es gibt in Deutschland die Eisenbahn… Und wer mit dieser fährt, darf unfreiwillig das ein oder andere erleben. In weiser Voraussicht habe ich für die Fahrt zum Flughafen Berlin Tegel etwas mehr Zeit eingeplant, ganze 5 Stunden für eine Distanz von knapp 150 Kilometern. Es gibt Menschen, die schaffen dies mit dem Rad schneller.

Amsterdam Marathon 2013: Am Anfang war der Zug

Der erste Abschnitt Senftenberg – Cottbus verlief problemlos. Klasse, dann kann ja in der Zeit von 1:30 Std. bis Berlin nicht mehr viel schief gehen. Zug stand schon da, und 10:01 Uhr sollte es losgehen. Aber nichts geschah. Meine ersten Gedanken: Da hat mal wieder jemand an der Oberleitung rumgespielt, um sein Taschengeld als Schrottsammler aufzubessern. Für einen zweiten Gedanken gab es keine Zeit mehr, denn durch den Lautsprecher im Zug gab es die Anfrage, ob sich ein Arzt oder Sanitäter im Zug befindet. Dies wurde von einigen gut gelaunten Punks mit einem lauten „Ja“ quittiert. Also, hieß es warten bis ein Krankenwagen eintraf, um irgendjemanden zu behandeln. Damit waren die ersten 30 Minuten schon einmal dahin.

Dann endlich ging es los. Berlin ich komme! Rasant zog die Landschaft vorbei, mein Blick schweifte abwechselnd in eine Laufzeitung, zu meinem Gegenüber, der von Station zu Station wechselte, und aus dem Fenster. Nach der Hälfte der Strecke ein unsanfter Ruck, ich wäre bald vom Sitz geflogen. Von 130 auf 0 in 3 Sekunden – wunderbar; jetzt hat sich bestimmt jemand vor dem Zug gehauen und seinem Leben ein Ende bereitet. Aber nein. Es war unspektakulärer, soll wohl am Zug und seiner Technik gelegen haben. Jedenfalls gab es diese Information durch den Lautsprecher im Waggon. Nach mehreren Minuten im Nirgendwo zwischen Spreewald und Berlin ging es weiter. Aber nicht lange und eine weitere Vollbremsung folgte. Nun dachte ich schon an Sabotage. Irgendwer möchte die Reise nach Amsterdam verhindern. Aus dem Lautsprecher im Zug kam jetzt keine Information mehr, sicherlich hat das Teil auch endlich den Geist aufgegeben. Es wurde unruhig unter den Fahrgästen, und mein Blick wanderte immer mehr in Richtung Uhr. Irgendwann marschierte der Zugführer durch den Zug; die Punks ließen es sich nicht nehmen, ihn anzumotzen, wegen Arbeit und so. Ich kam nicht umhin, mir meinen Teil dazu zu denken.

Mein Hirn arbeitete ziemlich heftig. Wenn jetzt im Zug schon einige Sachen nicht funktionieren, was soll dann nur im Flieger geschehen? Sollten diese Verzögerungen etwa Zeichen sein, damit ich meinen Flieger nicht besteige? Aber wie durch ein Wunder hat der Meister der Technik das Problem gelöst, und weiter ging es. Kaum zu glauben, aber wahr, ich bekam an diesem Tag noch den Hauptbahnhof in Berlin zu sehen. Jetzt aber schnell zur Bushaltestelle, um nach Tegel zu kommen. Also raus aus dem Bahnhofsgebäude zum vermeintlichen Haltepunkt; diese war mir noch von einer anderen Reise bekannt. Aber wen wundert es, genau an dieser Stelle wurde natürlich gebaut. Oder besser, es war alles abgesperrt, denn Arbeiter waren wie so oft keine zu sehen.

Wie es sich gehört, gab es eine gut lesbare Information in Form eines kleinen Blattes, auf dem stand, dass hier die Busse zur Zeit nicht fahren. Gut, dass dies extra vermerkt war. Ich wäre selbstverständlich nicht auf den Gedanken gekommen! Also, zurück in das Bahnhofsgebäude und komplett durch den gesamten Hauptbahnhof gealbert, um dann endlich eine Tafel zu erblicken, auf der die einzelnen Busabfahrtzeiten standen. Bus so und so nach hier, und Bus so nach da und sogar ein Bus nach Tegel fand sich in der gesamten Aufzählung. Also schnell zur Haltestelle 7, dem Abfahrtsort für die Flughafenbusse. An Haltestelle 1 vorbei, über eine große Straße gelaufen, fast von einem Auto überfahren. Der nette Herr hinter dem Steuer war sicherlich farbenblind oder einfach nur bescheuert. Dann Haltestelle 2 und 3 gefunden. Und dann war Schluss. Hier geschaut, da geschaut, Passanten angesprochen und genauso schlau wie vorher gewesen. Also wieder zurück zum Bahnhofseingang, um noch einmal die Anzeigetafel zu beschauen, tatsächlich Haltestelle 7. Also wieder über die gleiche große Straße, ich mache Fortschritte, jetzt wäre mir nur noch ein Radfahrer in die Knochen gedonnert. Da war es wieder, ein Zeichen. Schließlich ist unser Nachbarland für seine Liebe zum Fahrrad bekannt. Bei Haltestelle 3 oder 4, ich weiß es nicht mehr genau, war wieder Schluss. Mittlerweile habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, dass Amsterdam ohne mich laufen muss. Es gab jetzt noch zwei Möglichkeiten: ein Taxi oder ein Wunder.

Nachdem ich ein, zwei nette Taxifahrer betrachtete, fiel diese Option erst mal weg. Das Wunder musste her. Also zum gefühlten 378. Mal wieder rein ins Bahnhofsgebäude und einen Informationsschalter aufgesucht. Und da bekam ich endlich mein Wunder. Einmal wieder durch den kompletten Bahnhof, auf dem Vorplatz geradeaus und dort fuhren die Busse nach Berlin-Tegel. Klasse und logisch zugleich. Schön und gut, nur gab es hier keine Tafel mit Abfahrtzeiten, dafür hätte ich dann wieder durch den gesamten Bahnhof zum anderen Ende rennen müssen. Also auf gut Glück an die vermeintliche Haltestelle 7 gestellt. Dann endlich nach 30 Minuten saß mein Körper im Bus. Meine Fantasie war schon auf der Reise und malte sich gerade abenteuerliche Szenarien aus, welche auf dem Flug geschehen könnten. Dazu sah ich mich schon durchbohrt an einem Ast baumeln.

Es gibt schönere Vorstellungen… Das Einchecken und der ganze andere Kram waren in Tegel wunderlicherweise ganz entspannt. Danach kaufte ich mir ein kleines Getränk und einen Imbiss, um festzustellen, dass ich damit die Renovierung des Flughafens allein finanziert habe. Wenig gewundert hat mich die Information, dass sich der Abflug nach Amsterdam verspätet. So wie der Tag angefangen hatte, ging er fröhlich weiter. Kaum zu glauben, dass mein Hinterteil dann gegen 15 Uhr endlich seinen Platz in einer nicht sehr vertrauenserweckenden Fokker 70 gefunden hatte. Eigentlich hätte ich spätestens jetzt Panik bekommen müssen, aber Läufern werden ja Ruhe und Gelassenheit nachgesagt. Ich für meinen Teil stufte es nur noch als Dummheit ein: Was machst Du hier eigentlich für einen Mist?

Die etwas mehr als eine Stunde im Flieger waren alles andere als ein Vergnügen. Es rüttelte und schüttelte, und in jedem Augenblick war ich in der Erwartung, dass es steil und unerwartet nach unten geht. Ein Blick auf die Tragfläche machte es nicht besser. Vorsichtig ausgedrückt heißt das, es sah alles schon sehr nach Museum aus. Dazu dröhnten die Triebwerke genau in meine Ohren. Als Snack gab es eine kleine Packung Chips oder wahlweise Kekse. Ich mache es kurz, der Hunger trieb es rein und der Ekel runter. Und dann endlich, niederländischer Boden. Ich habe es geschafft, und ab jetzt wurde der Tag tatsächlich nur noch gut. Dank eines Shuttleservices ging es unproblematisch in einem sehr luxuriösen Taxi mit Minibar und TV zum Hotel. Jetzt endlich konnte es richtig losgehen. Freundliche Mizuno Mitarbeiter empfingen die anderen Runbirds und mich im Fashion Hotel Amsterdam, und ich befand mich von jetzt auf gleich in einer ganz anderen Welt.

Der zweite Teil zum Mizuno Runbird Wochenende. Leider hatte ich auf der Hinreise durch den Trubel keine Chance Fotos zu machen, diese folgen dann in den späteren Berichten.

Die Einladung zum Amsterdam Marathon, die Übernachtungen und das gesamte Wochenende erhielt ich als Teilnehmer des Runbirds Programms von Mizuno, vielen Dank dafür. Dennoch hat Mizuno keinen Einfluss auf diesen Artikel genommen. Dieser beinhaltet meine Erfahrungen und Empfindungen des gesamten Wochenendes.


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8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich weiss ja – man sollte bei solchen Erlebnissen nicht lachen – aber bei Deiner wunderbaren Erzählweise musste ich mehrmals schmunzeln oder sogar laut lachen 🙂 Aber Du kannst beruhigt sein – ich hatte einmal für eine Zugfahrt in Deutschland, welche normalerweise 3h dauert, 8h benötigt – von Arzt/Sanitäter/technischen Pannen etc. bis hin zu verpassten Zügen war alles dabei 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Hallo Ariana,
      Schmunzeln und ganz lautes Lachen ist erlaubt. War nicht mein erstes Abenteuer mit der Bahn und wird sicherlich auch nicht das letzte Erlebnis gewesen sein. Der Rest des Wochenendes verlief dann ruhiger 🙂
      Und 8 Stunden ist eine gute Hausnummer, da haste bestimmt einiges erlebt….

  2. Oh man, oh man Heiko – was für eine Reise. 😀 Wer da abergläubig ist, wäre gerantiert wieder umgekehrt. Da bist du in Berlin keinen Airport-Run gelaufen sondern einen Bahnhofs-Run… 😉 Ich hoffe nur, dass der Rest der Reise und die Heimreise dann wesentlich entspannter verliefen. Bin schon auf den nächsten Bericht gespannt…
    Liebe Grüße Daniela

    • Hi Daniela,
      Aberglauben und solche Sachen sind nicht meins, deshalb ging es immer weiter. Der Rest des Wochenendes war wirklich genial. Bahnhofs-Run, eine neue Idee ist geboren 🙂

  3. OMG.
    Herrlich geschrieben. Obwohl dir wahrscheinlich nicht danach war – aber ich musste beim Lesen echt schmunzeln.
    Somit kannst du dir gut vorstellen, wie „entspannt“ ich samstags im ICE nach Berlin sass, der wenn denn pünktlich um 15:10Uhr in Berlin HBF ankommen sollte und die Marathonmesse bis 18 Uhr geöffnet ist. Da man ja seit diesem Jahr nur noch persönlich seine Startunterlagen abholen konnte und auch erstmal noch nach Tempelhof musste…
    Und keine Fotos? Echt? Zumindestens von den Schweissperlen auf der Stirn wäre doch drin gewesen, hihi.
    So wie sich der letzte Teil liest, wurde es ja zumindestens in Amsterdam dann entspannter.
    Bin mal gespannt, auf den Rückreisebereicht 😉
    Viele Grüße
    Karina

    • Mir war unterwegs schon klar das das erlebte gutes Material für einen Blogbeitrag liefert, deshalb kann ich dafür schon wieder dankbar sein 🙂 Es darf sehr gern gelacht und geschmunzelt werden. Nein, leider keine Fotos. Aber vom restlichen Wochenende wird es dann Bilder geben, lasst Euch überraschen. Die Rückreise war ziemlich ruhig und Amsterdam hat sich einfach mal gelohnt.

  4. Auweia! Nur gut, dass wir uns nicht wirklich auf dem Flughafen getroffen haben … Ich hätte mir sonst Sorgen gemacht …

    Aber ich vermute mal ganz stark, dass die folgenden Tage dann umso besser waren! Bin auf den Bericht gespannt!

    • Glaube auch, Ihr hattet scheinbar eine ganz entspannte Reise gehabt 🙂

      Ja, die folgenden Tage hatten wirklich viel Power und es hat sich gelohnt. Bald kannst Du darüber was lesen.

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