So individuell kann Personal Training sein

Personal Training
Vor Kurzem erreichte mich von der Laufen total-Leserin Kathleen der Wunsch, ich solle doch mal etwas über den Ablauf einer Personal Trainingseinheit schreiben. Nun, mein Personal Training ist sehr individuell und auf die jeweilige Person abgestimmt, so dass ich im ersten Augenblick keine Idee hatte, wie ich einen „typischen“ Ablauf beschreiben könnte. Außerdem war ich mir nicht sicher, wen dies wirklich interessiert, außer eben Kathleen. Aber dann fiel mir ein, dass ich vor vielen Jahren selbst nicht wusste, was Personal Training wirklich ist. Ich dachte, das ist nur was für die Reichen und Schönen. Es hat schon eine Weile bei mir gedauert, um mich mit diesem Berufszweig vertraut zu machen. Mittlerweile gehöre ich mit meiner Leidenschaft zum Sport selbst dazu und möchte Euch (wunschgemäß) einen Einblick in diese Welt geben und meine Gedanken dazu mitteilen.

Bevor ich beginne, möchte ich eines klarstellen: Sport und Training gehen definitiv auch ohne persönlichen Coach. Aber ein Personal Trainer kann Deinem Sport eine Struktur geben, kann Dir helfen, fokussierter an den eigenen Zielen zu arbeiten, kann den nötigen Arschtritt geben, kann motivieren, kann Dir die Freude am Sport vermitteln, kann helfen, alte Trainings- und Denkmuster zu durchbrechen oder einfach nur ein guter Zuhörer sein. Klar ist Personal Training ein Luxus, und jeder muss für sich entscheiden, ob er bereit ist, in diesen Luxus zu investieren oder nicht. Der Beruf des Personal Trainers ist aus meiner Sicht in der Gesellschaft angekommen, aber ich habe das Gefühl, dass immer noch ein verzerrtes Bild auf der Branche lastet.

In der Werbung oder in Zeitschriften werden, das muss ich leider zugeben, alle Vorurteile bedient. Personal Trainer sind dauergrinsendes Muskelpakete, haben einen Waschbrettbauch und leben natürlich total gesund. Wobei keiner so wirklich definieren kann, was denn nun eigentlich gesund ist oder nicht. Ich denke, dieses Bild ist zu oberflächlich, weil zu einem bodenständigen Personal Trainer viel mehr gehört. Natürlich muss ein Personal Trainer sportlich sein, er muss für seine Sache brennen, muss bereit sein, sich immer wieder zu bilden, selbst Erfahrungen machen, eigene Erkenntnisse sammeln. Dabei darf aber nie der Mensch vergessen werden, denn der Job ist keine Fließbandarbeit. Hier haben wir mit verschiedenen Charakteren, Lebenserfahrungen und Schicksalen zu tun. Ein guter und nutzbringender Personal Trainer sollte sich daher aus meiner Sicht immer erst an zweiter Stelle sehen. An erster Stelle steht immer und ausnahmslos sein Schützling (Kunde hört sich irgendwie blöd an). Es ist die Aufgabe des Trainers, den jeweiligen Menschen Wertschätzung entgegenzubringen und sie ernst zu nehmen. Gutes Personal Training bedeutet nicht, ein Konzept hundertfach zu kopieren und einzelnen Personen überzustülpen. Nein, es bedeutet auf die jeweilige Person einzugehen, schnell die Ressourcen und Leidenschaften zu erkennen und diese dann einzusetzen, um gemeinsam das jeweilige Ziel mit viel Lebensfreude und Spaß zu erreichen.

Nun kann ich aber nicht für andere Personal Trainer sprechen, weil jeder seine eigenen Ansichten und Herangehensweisen hat. Deshalb möchte ich Euch auf eine meiner Personal Trainingseinheiten mitnehmen, damit Ihr einen kleinen Eindruck vom Ablauf erhaltet.

Mein Personal Training in der Praxis

Seit Stunden schüttet es wie aus Gießkannen, Regen kann dieses Naturschauspiel nicht mehr genannt werden. Ein Blick aus dem Fenster zeigt dazu einen windigen Tag, und das Thermometer befindet sich irgendwo im einstelligen Bereich. Viele Menschen bewegen sich bei so einem Wetter nicht vor die Tür; bei mir kommen solche Gedanken eher selten vor. Für mich dreht sich nur um die nächste Personal Trainingseinheit mit Sabine (Name habe ich mit Absicht geändert) und irgendwie erahne ich, dass Sabine insgeheim hofft, dass ich sie anrufe und das Training wegen schlechten Wetters absage. Aber diese Hoffnung muss ich ihr nehmen, und so treffen wir uns 20 Minuten später an einem Fluss.

Sabine sieht schon etwas zerknautscht aus, dennoch lächelt sie als sie mich sieht und der erste Satz lautet: „Dich kann wohl nicht mal der Weltuntergang stoppen.“ Und damit hat sie vielleicht nicht ganz so unrecht. Schon nach einer Minute sind wir beide komplett durchgenässt, so dass ich gleich dazu animiere, in den Laufschritt zu verfallen. Unter unseren Laufschuhen schmatzt die Mischung aus Wasser und Dreck ordentlich und schon nach wenigen Sekunden meine mahnenden Worte in Richtung Sabine: „Eh, wir sind nicht auf der Flucht.“ Dabei grinse ich sie an und lege noch nach, dass heute bestes Wetter sei, um richtig die Sau rauszulassen. Danach ging es in die grobe Erklärung, was so in den nächsten 60 Minuten zu erwarten ist, und die Kommunikation dazu sah so aus. Sabine: „Was hast Du heute mit mir vor?“, Ich erwiderte mit einem weiteren Grinsen: „Ich mache Dich zur Sau.“ Und sie „Also alles wie immer.“ Und schon konnten wir beide kräftig lachen.

In der Zwischenzeit hatten wir ca. 10 min im Laufschritt zurückgelegt. Durch das Gespräch, welches ich mit Sabine geführt habe, konnte ich sie Stück für Stück bremsen, damit sie nicht zu schnell läuft. An diesem Tag sollte das Training erstmal im Wohlfühltempo geschehen. Dies habe ich ihr natürlich nicht gesagt, sondern bin einfach 1-2 Schritte versetzt neben ihr gelaufen, was reichte, um Tempo rauszunehmen. Überhaupt bin ich kein großer Freund ständig zu sagen, mache dies oder jenes. Eher frage ich, ob das Tempo passt. Aber meist ist dies nicht nötig, denn wenn mein Gegenüber wie ein Wasserfall plappert, passt es auf alle Fälle.

Nach den ersten 10 min hatte ich eine einsame Parkbank als unser erstes Trainingsgerät auserkoren. Eine Übung für den Oberschenkel und  Po, eine Übung für die Oberarme, eine Übung für die Brustmuskulatur, eine Übung für die Bauchmuskeln und noch was für die Koordination. Sabine erklärte zwischendurch, sie habe den Eindruck, ich wolle sie töten. Mit einem Lächeln milderte sie diese Aussage aber ab, weil die Übungen echt Laune machen. Während der einzelnen Übungen habe ich immer wieder die Durchführung korrigiert und natürlich motiviert, um genug Wiederholungen zu provozieren. Und wenn sie meinte, nach acht Wiederholungen nicht mehr zu können, dann mussten noch fünf zusätzlich sein – und sie hat es geschafft.

Nach der Parkbank ging es an die Durchführung einiger weniger Übungen aus dem Lauf-ABC. Diesmal mit Absicht erst nach den Kräftigungen, um eben im Training neue Reize zu setzen. Nebenbei hatten wir viel zu lachen und Sabine traf die Feststellung, dass das Wetter ist richtig cool sei. Und es traten Erinnerungen zutage, was sie früher alles so verpasst hat. Denn bei so einem Wetter wäre sie damals mit 30 kg mehr auf der Hüfte nie vor die Haustüre gegangen. Bei allem Geplaudere achtete ich bei meinen Trainingseinheiten natürlich auf die genaue Ausführung der einzelnen Übungen und korrigiere sofort, wenn es unsauber wird.  Auch Sabine zeigte ich wiederholt die saubere Ausführung. Nach dem Lauf-ABC stellte ich die nächste Übungsform vor: Pfützenspringen mit Anlauf. Sabine konnte sich nicht verkneifen festzustellen, dass ich bekloppt sei. Meine Antwort, dass sie ja eben deshalb mit mir trainiert, war dann nur logisch. Und schon war sie in Richtung der ersten großen Pfütze unterwegs, und klatsch spritzte der Dreck in alle Richtungen. „Man ist das geil.“ Und schon ging es zur nächsten Pfütze und zur nächsten. Dazwischen der Ausruf: „Wenn das meine  Angestellten wüssten, die würden mich nicht mehr für voll nehmen.“

Diese Aussage hat mich natürlich wieder zum Nachdenken angeregt. Warum sollten die Angestellten dies sagen? Immerhin hat Sabine ein größeres Unternehmen zu führen. Und eines ist auffällig, sie ist durch den Sport viel ausgeglichener, und davon profitieren ja die Angestellten. Denn ehrlich, wer möchte eine schlecht gelaunte Chefin haben?

Nach unserem Pfützentheater sah ich noch einige kleinere Steine im Dreck. Diese nutzten wir spontan zum Weit- und Zielwurf. Und schon ging es im Laufschritt zurück, und schon waren wieder 60 Minuten um. Das Wetter war kein Thema mehr, Sabine nur am Lächeln und da musste sie mir nicht mehr viel sagen.

Und damit möchte ich in den Exkurs  in eine Personal Trainingseinheit beenden. Keine Einheit ist wie die andere. Meine große Herausforderung sind die Abwechslung, Spontanität und immer wieder neue Ideen. Ich würde mich freuen, wenn ich Euch den Berufszweig des Personal Trainers mal auf eine etwas andere Art rüberbringen konnte und somit auch Vorurteile nehmen konnte. Weitere Informationen zu meinem Personal Training findet Ihr unter – Personal Training.

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Mein Name ist Heiko Wache und ich bin 46 Jahre alt. Ich bin zertifizierter Laufcoach, Personal Trainer und Fitnesstrainer-B. Mein beruflicher Weg gilt dem Sport als Personal Trainer mit dem Spezialgebiet Lauftraining. Weitere Informationen zu meinem Personal Training, der Online-Trainingsbetreuung und zum Laufen und der Fitness im Allgemeinen können sehr gern erfragt werden. Ihr findet mich natürlich auch auf: Facebook.